Seit ich mein Projekt Digitale Brücken bauen 2014 erstmals online beschrieben habe, bin ich gelegentlich gefragt worden ((Zu weiteren Fragen und Rückmeldungen gibt’s die Tage noch einen eigenen Blogpost.)) und habe vor allem mich selbst gefragt, wie denn so eine Brücke aussehen kann, was für positive Geschichten über das Digitale ich also meine. Eine kleine, aber brandaktuelle Antwort lautet Quizduell.

Das populäre Mobile-Game ist erst einmal furchtbar simpel, denn es nimmt das aus unter anderem „Wer wird Millionär?“ bekannte Prinzip von Frage und Multiple-Choice-Antworten zu den unterschiedlichsten Themenbereichen und macht es social, lässt mich also gegen beispielsweise meine Facebook-Freunde antreten, Menschen, die ich wirklich kenne. An die sechs Millionen Duellanten sollen es bereits sein; Buch- und Fernsehumsetzungen sind in der Mache – die App ist ein Hit und zwar nicht nur innerhalb der berühmten Filterblase.

Caros Quizduell-Spiele in den letzten paar Tagen

Meine Quizduell-Spiele in den letzten paar Tagen

Es mag zahlreiche andere Formate geben, die nach ähnlichem Schema funktionier(t)en, aber „Wer wird Millionär?“ ist ein besonders passender Vergleich. Auch wenn die Rateshow inzwischen nicht mehr an ihre Traumquoten von einst heranreicht, gab es doch mal eine Zeit, in der sie Fernsehzuschauer allen Alters vor der Mattscheibe einte. Ich erinnere mich an Gespräche in der Familie vor vielen, vielen Jahren, in denen sich zeigte: Oma und Opa genau wie meine Eltern und ich hatten eine Ausgabe gesehen; Gewinner oder besonders kniffelige Fragen wurden sicherlich nicht nur bei uns zumindest kurzzeitig zum Gesprächsthema.

Dieses TV-Lagerfeuer verschwindet immer mehr, wird aber mit der Verbreitung von Smartphones eben auch verlagert. Zum Beispiel zum „Tatort“ oder Shows wie dem Dschungelcamp, die auf Twitter parallel zur Ausstrahlung ein eigenes Leben entwickeln. Doch während vor allem Twitter immer noch kaum außerhalb bestimmter Schichten und Gruppen genutzt wird, habe ich das Gefühl, dass das Quizduell verbindet.

Im Hamburger Betahaus verbrachten wir neulich den halben Nachmittag damit, in der Gruppe gegeneinander zu spielen. Abwechselnd meine Mutter, mein Bruder und Freunde schicken mir aus der Ferne amüsierte Nachrichten, wenn ich beim gemeinsamen Spiel mal wieder irgendeine Frage vollkommen idiotisch beantwortet habe. Eine Freundin berichtete mir gar kürzlich, wie Weihnachten bei ihr zu Hause aussah: dass nämlich alle Generationen der Familie ungewohnt friedlich beieinander saßen und sich mit dem Spiel und dabei miteinander beschäftigten. Und dann wäre da noch die lustige kleine zwischenmenschliche Begegnung, bei der meine Mutter kürzlich zu einem Kellner im Lokal meinte: „Sie müssen noch zwei Fragen bei Quizduell beantworten“, weil das Handy in seiner Schürze die typischen Quizduell-Töne von sich gegeben hatte.

Quizduell schafft einen der seltenen digitalen Räume, der mit meiner gewöhnlichen Filterblase nichts zu tun hat, sondern über so manchen Graben hinweg Menschen miteinander verbindet. Wie einst „Wer wird Millionär?“.

Die ersten Ermüdungserscheinungen gibt es zwar schon und das Spiel wird wohl nicht ewig die weihnachtliche Begeisterung aufrecht erhalten können. Aber was ich – und sicherlich viele von euch – in den vergangenen Wochen beobachtet haben, halte ich für bemerkenswert. Und ein schönes Beispiel einer kleinen, aber positiven Geschichte, wie das Digitale Menschen nicht etwa entfremdet, sondern Gemeinsamkeiten ermöglicht.

Eine gemeinsame Quizduell-Runde ist übrigens auch wesentlich sozialer, als sie hier vielleicht aussieht:

Ein spontaner Quizduell-Marathon (Foto: Carolin Neumann, All Rights Reserved)

Ein spontaner Quizduell-Marathon (Foto: Carolin Neumann, All Rights Reserved)


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