Ich poste ein lustiges Musikvideo – Mama gefällt das.

Ich stelle meine neue Kolumne online – Papa teilt das.

Ich stelle ein Foto online, das meine To-Do-Listen-Zettel an der Wand zeigt – Mama kommentiert: „Web 0.2“.

Ich kündige meinen Arbeitsurlaub an – Papa antwortet „Ponyhof für Alle!“

Ich erzähle am Telefon von einer beruflichen Veränderung – Papa macht eine abwinkende Handbewegung, „Weiß ich doch schon von Facebook.“

Ich frage Mama nach ihrer Meinung zu einem Thema – sie fragt, ob ich denn nicht ihre Tweets dazu gelesen habe.

Meine Eltern sind auf Facebook, na, und? Ich gehe noch weiter: Meine Eltern sind auf Facebook, das ist doch super!


Was mich zu dieser Erzählung veranlasst, hängt wie vieles, was ihr hier in der nächsten Zeit lesen werdet, mit meinen Überlegungen zum Thema Digitale Brücken bauen zusammen. Und konkret mit einem Kommentar bei Facebook, den ich gerade las und bei Weitem nicht zum ersten Mal in den letzten Jahren:

Screenshot von der Facebook-Seite von Curved.de

Screenshot von der Facebook-Seite von Curved.de

Tun wir das wirklich?

Und wenn ja, können wir bitte damit aufhören, diese elitäre Einstellung, egal wie nachvollziehbar sie für einzelne sein mag, so zu betonen? Das ist Exklusion vom Feinsten, die der dringend notwendigen Annäherung von „Online-Affinen“ und „Offlinern“ entgegenwirkt. Wie können wir uns auf der einen Seite über Digitalangst und -ablehnung beschweren, uns auf der anderen aber wünschen, das Netz wäre noch immer der kleine intime Raum für Pioniere?

Auch ich liebe die Insiderwitzchen und die spezielle Sprache, die Netzbewohner pflegen, zelebriere das Hashtag, in dem Wissen, dass dies eine Art der Isolierung ist, die Betonung einer Community, zu der ein großer Teil der Bevölkerung nicht zugehörig ist. Nicht, weil ich mich isolieren möchte, sondern weil dies die Merkmale meiner Generation, eine Art Zugehörigkeitssymbol ist.

Doch bei der Forderung, Mama und Papa (stellvertretend für einen Großteil der Internetnutzer) mögen Facebook (auch nur ein Symbol für das WWW als Ganzes) doch verlassen und gefälligst auf ihre eigenen Spielwiesen abhauen, ziehe ich die Grenze.

Diese Ausgrenzung macht keinen Spaß. Netzwerke für einzelne Gruppen, für Nischen wird es immer wieder geben. Und wenn wir halt von der Pionier-Position in die Nischen vertrieben werden, so what? Solange es der Digitalisierung und ihrer Akzeptanz in der Gesellschaft, dem Zusammenwachsen und dem Überbrücken des digitalen Grabens förderlich ist, nehme ich es in gerne in Kauf, dass meine Eltern bei Twitter mitlesen und meine Instagram-Bilder sehen. Dass sie stolz ihre Likes unter meine Artikel setzen und bei so manchem öffentlichen Posting auch mal grenzwertig-peinliche Kommentare mit Geschichten aus meiner Kindheit hinterlassen.