Seit 2013 die Blätter von den Bäumen fielen, so scheint es, fielen auch die Stöckchen reihenweise aus den Blogs. Irgendwer muss die ja aufräumen, weswegen ich gleich drei entgegennehme und beantworte ((Das ist gegen die Regeln, dass ich die beiden Stöckchen zerstückle und kompostiere und nicht an andere weitergebe, oder? ‚tschuldigung.)). Zugeworfen hat mir das jüngste Rouven Kasten, ein weiteres meine Namensverwandte Jule Neumann und das dritte schon im vergangenen Jahr Ninia Binias, just als ich die Überschrift ihres Blogposts las und dachte: OMG, das muss ich jetzt unbedingt kommentieren. Was ich hiermit tue.

Denn:

Woran glaubt die Netzgemeinde?
Ich. Hasse. Dieses. Wort.
Das haben Sanja und ich schon vor zwei Jahren bei der re:publica sehr deutlich gemacht. Weder gibt es dieses ominöse Wir, das hier impliziert ist, noch möchte ich als Teil einer Gemeinde bezeichnet werden, der beigetreten zu sein, ich mich nicht erinnern kann. Ich weiß, es ist Bequemlichkeit, die eine solche Wortschöpfung und ihren inflationären Gebrauch bedingt. Manchmal erwische ich mich selbst dabei. Dann zucke ich zusammen. Nein, ich habe keine Alternative. Manchmal darf man Dinge auch einfach total destruktiv scheiße finden. So.

(200MoreMontrealStencils, CC BY 2.0)

(Bild: 200MoreMontrealStencils/Flickr, CC BY 2.0)

Was sind Werte im Netz?
Gelegentlich blitzt Loyalität durch.

Gibt es Rituale im Netz?
Jeder Menge, die wiederum von Person zu Person völlig unterschiedlich sind. Vor einem halben Jahr hätte ich vielleicht noch gesagt, dass es Dinge gibt, die alle im Netz auf jeden Fall einen, gemeinsames Fernsehen oder unsere Einstellungen zum Thema Freiheit im Netz, aber seither habe ich erkannt, dass dies ein großer Irrtum ist und ich meinem Urteil nicht vertrauen kann – denn die Filterblase, in der auch ich es mir gemütlich gemacht habe, ist gnadenlos.

Wenn ich uns, die wir in diesem Internet rumturnen, über einen Kamm scheren müsste, dann kommt mir leider der Begriff unreflektiert in den Sinn. Auf der einen Seite bin ich bei Twitter und Co. von so vielen klugen Menschen und guten Meinungen umgeben. Aber sobald es dem Internet an den Kragen geht, sehe ich häufig nur reaktionäres, unreflektiertes Gedresche. Und die wenig nützliche Fähigkeit, Dinge – ob im Positiven oder im Negativen – aufzublasen. Aktuelles Beispiel dafür wäre wohl der geliebt-gehasste Poetry-Slam-Beitrag einer gewissen Julia Engelmann.

Wenn das Internet nie erfunden worden wäre, was würdest du dann heute beruflich machen?
Vom Netz als „Arbeitsplatz“ war – zumindest in meiner Welt – noch keine Rede, als ich das mit der Kindergärtnerin abhakte und mich für den Journalismus entschied. In einer Welt ohne Internet würde ich wohl heute für irgendein gedrucktes Medium schreiben.

Wenn dir Yahoo 50 Millionen Euro in die Hand drücken würde, was würdest du für ein Projekt im Internet realisieren?
Erst einmal würde ich es in meine bestehenden Projekte investieren: um die Digital Media Women weiter zu professionalisieren, denn wir haben so viele Ideen, die einfacher mit bezahlter (Wo)Manpower wären; und angelehnt an ein Zitat eines berühmten amerikanischen Journalisten wäre ich gerne eine Mäzenin, die dem VOCER Innovation Medialab und VOCER ein paar Euro zusteckt. Und für den Rest der 50 Millionen würde ich garantiert auch noch spannende Ideen finden!

Was macht die deutsche Blogosphäre deiner Meinung nach falsch, was die amerikanische richtig macht?
Die deutsche hält sich zu sehr an der feierlichen Trennung zwischen Was ist ein Blogger? und Was ist ein Journalist? fest und daran, was der Begriff Blog rein definitorisch beinhaltet. In den USA werden Angebote als Blogs bezeichnet, die journalistischer und professioneller kaum sein könnten.

Anglizismenverbot für einen Tag – wie schwer wird die Kommunikation in deinem Job?
Im Job schwierig genug, da Journalismusinnovation und tägliche Projektmanagement-Prozesse viel davon durchzogen sind. Schlimmer aber wäre, wie sehr im Privaten meine Fähigkeit, mich auszudrücken, beschnitten würde.

Was sollte man Kindern heute rechtzeitig über das Internet beibringen?
Dass sie nicht alles, was möglich ist, auch machen dürfen oder sollten. Und ganz wichtig: Mit den Eltern über das, was ihnen im Netz widerfährt, zu sprechen.

Mein letzter „Offline Urlaub“ war?
Im Herbst, aber eine Ausnahme.

Mein erstes mal im Internet?
War früher als bei vielen anderen, aber später als bei den meisten, die heute was mit Internet machen. Ich dürfte so 12 oder 13 gewesen sein, als ich in der Schule erstmals mit dem Netscape-Browser in Berührung kam. Mehr als mein erstes Mal im Internet habe ich mein erstes Social Network (uboot.com) oder meinen ersten illegal runtergeladenen Song („Crying at the discotheque“ von Alcazar) im Kopf.

Nach Edward Snowden ändere ich?
Zunächst meine Einstellung und nach und nach die Art, wie ich mich im Digitalen bewege.