Seit knapp zwei Jahren schreibe ich die Kolumne „Digitales (Über)Leben“, für die ich mich mit Themen rund um die digitale Gesellschaft beschäftige. Die größte Herausforderung war in diesen zwei Jahren weniger, jede Woche ein passendes Thema zu finden, sondern vielmehr, die Balance zu halten zwischen meiner häufig ungebremsten Begeisterung für das Digitale und der notwendigen Sensibilität für die Sorgen meiner oft älteren Leser, die das Internet zwar nutzen, aber hinter jeder Ecke den Teufel vermuten. Plötzlich war ich Brückenbauerin zwischen zwei Seiten eines tiefen digitalen Grabens, der sich durch unsere Gesellschaft zieht.

Vordergründig verläuft er zwischen den Generationen, doch auch unabhängig vom Alter teilt sich die Gesellschaft in diejenigen, die vor allem die positiven Seiten der Digitalisierung sehen, und jene, bei denen das Internet in erster Linie Angst hervorruft. Wertesysteme, Status und Sozialisierung sind weitere Faktoren, die diesen Graben ausmachen.

In allen Bereichen unseres Lebens ist er zu spüren: In der Familie hat das Internet die seltsame Macht, ihre Mitglieder zu entfremden, und im Beruflichen, Karrieren zu beenden. Nicht zuletzt offenbaren in der Politik Diskussionen zwischen Machthabern und Netzbewohnern eine Blauäugigkeit auf der einen (Stichwort Internetgesetzgebung) und eine Gnadenlosigkeit auf der anderen Seite (Stichwort Shitstorm), die unserer Gesellschaft im Jahr 2014 nicht angemessen sind. Wie gering der Aufschrei über das globale Ausspionieren unseres digitalen Lebens ist und war, zeugt auch von diesem mangelnden Verständnis und seinen schwerwiegenden Folgen.

Erstellt mit tagul.com

(Erstellt mit tagul.com)

Es ist natürlich, dass mein Opa keinen Zugang zu der exzessiv digitalen Welt hat, in der ich lebe und arbeite, und dass es mir schwer fällt, mich in sein Unverständnis wirklich hineinzuversetzen. Ob sich daran grundlegend etwas ändern kann, weiß ich nicht. Aber die Vehemenz, mit der wir lange in unserem Weltbild verharrten, ohne aufeinander zuzugehen, möchte ich aus meinem Leben verbannen.

Denn wenn wir – und das ist wieder ein allgemeines Wir, das gilt nicht nur für meinen Opa und mich – wie bisher fortfahren, so meine Sorge, finden wir uns in zehn Jahren am Rande eines noch tieferen Grabens wieder.

Stabilere Brücken in 2014

Journalisten verlieren sich selbst allzu oft in entweder unreflektierten Begeisterungsstürmen oder eigenen Ängsten. Statt aufzuklären, verschlimmern sie mitunter durch ihre Art der Berichterstattung die Kluft. Als Autorin, die quasi im digitalen Graben sitzt und beide Seiten bedient, möchte ich dieses Jahr dem Bau noch größerer, stabilerer Brücken über diesen digitalen Graben widmen.

Ich bin überzeugt, dass es dafür mehr authentische, positive, vorurteilsfreie Geschichten über das Digitale im Alltag braucht, um etwas zu verändern. Geschichten jenseits von Ministerbriefen an Facebook und Nachrichtenartikeln über Überwachung. Geschichten, die uns dazu bringen, einander zuzuhören anstatt eigene Interpretationen walten zu lassen. Online, auf Veranstaltungen und am Ende in Buchform möchte ich diese suchen, finden und erzählen.

Dabei sollte es schon ein Buch im regulären Handel sein und ist überhaupt der analoge Faktor nicht zu unterschätzen. Denn während in meiner Filterbubble auch zwei Wochen n.L. (nach Sascha Lobos Rede vom kaputten Internet) noch grenzenlose Begeisterung für das Netz und seine kuriosen Stories herrscht, gelangen auf gedrucktem Weg häufig nur die Ängste und Sorgen zur Bevölkerung. Dem möchte ich etwas entgegensetzen.

Was meint ihr? Ist dies ein guter Weg, den digitalen Graben zuzuschütten? Welche positive Geschichten möchtet ihr erzählt wissen? Wie können diese digitalen Brücken sonst aussehen?