Das ist ein Digital Native.
Die meisten anderen, die mit dem Begriff um sich werfen oder ihn gar auf sich selbst anwenden, sind es nicht.

Das war, ausnahmsweise vorab, das tl;dr meines Beitrags zur Blogparade über Digital Natives, zu der Sandra Schink aufgerufen hat. Ein Begriff, mit dem auch ich viel hantiere, an den ich aber bei genauerer Betrachtung in keiner mir bisher untergekommenen Form unterstütze.

Sandra argumentiert in ihrem Ausgangsbeitrag, dass Digital Natives nicht das Geburtsjahr qualifiziere, sondern die digitale Affinität; dass also alle diejenigen dazu gehörten, „die diese Technologien [Computerspiele, E-Mails, Internet, Mobiltelefone, Instant Messaging und ihre analogen Formen] täglich selbstverständlich genutzt und auch weiter entwickelt haben“.

Mag sein. Es ist sicherlich sinniger, den Digital Native anhand wirklicher Beschäftigung mit digitalen Medien als anhand des Alters festmachen zu wollen. Junge Erwachsene, die zur Zeit der Facebook-Gründung Kinder/Teenager waren und eng mit der Plattform verwachsen sind, wissen noch lange nicht, wie sie damit ordentlich umgehen. ((In Erweiterung hierzu: In meiner aktuellen Kolumne beschreibe ich den Wissensvorsprung der Eltern, der die technische Überlegenheit des Nachwuchses leicht relativiert.)) Oder sie zum Beispiel in irgendeinem anderen Kontext als zum schnellen privaten Austausch mit Gleichaltrigen zu nutzen, wie ich in meinen Seminaren erlebt habe. Darin habe ich angehende Journalisten an der Schwelle zum Twentysomething erlebt, von denen ich vorher gedacht hätte, sie seien der Inbegriff eines Digital Native, die aber teilweise vollkommene digitale Ahnungslosigkeit ausstrahlten.

Insofern stimme ich Sandras Abänderung der Definition eines Digital Native zu.

Aber.

Seien wir nicht naiv: Streng genommen sind auch diese Menschen keine Digital Natives. Sie wären es gerne. Aber sind es nicht. Nicht im wirklichen Sinne von „Natives“, also Ureinwohnern, Einheimischen. Wir sind vielleicht enorm versiert und können es uns anders gar nicht mehr anders vorstellen, aber wir sind doch alle nur zugezogen und liefern unseren seit frühestens der Jahrtausendwende geborenen Kindern einen digitalen Migrationshintergrund.

Sie selbst – siehe Video oben – sind es, für die das Digitale die Norm und das Analoge das ist, was man umständlich erklären muss. In den Achtzigern vor seinem zehnten Lebensjahr erstmals mit einem Computer in Berührung gekommen zu sein, macht einen fortschrittlicher als andere – aber es macht einen nicht zum Einheimischen in der Welt derjenigen, die sich heute teilweise noch gar nicht zu dieser Frage äußern können, weil sie schlicht noch zu klein dafür sind.