Vor rund zwei Jahren schrieb ich an dieser Stelle den Blogbeitrag „Femiwasmus“. Mit Mitte 20 begann ich mich zu der Zeit erstmals damit zu beschäftigen, nach welchen feministischen Werten ich lebe und leben möchte.

Seither sind die Digital Media Women – mein feministisches Herzstück, auch wenn wir „das F-Wort“ selbst vermeiden – ein gutes Stück in Richtung ihrer Ziele vorgedrungen. Ich habe hier und da Texte zum Thema gelesen (vor allem das Buch „Girls to the Front: The True Story of the Riot Grrrl Revolution“ hat mich fasziniert), viele Diskussionen geführt und insbesondere im Umfeld der #Aufschrei-Debatte kürzlich eine kleine Eruption erlebt.

Die Verärgerung, den Unmut, die Verwirrung und Wut, aber auch Freude und Frohsinn vor allem aus den ersten 48 Stunden, als dieses Erlebnis über mich hineinbrach, sind, was meine Gefühlswelt angeht, wohl am ehesten mit dem zu vergleichen, was Frauen in westlichen Ländern vor allem zwischen den Sechzigern und Achtzigern erlebten. Den Eindruck habe ich zumindest, nachdem ich gerade die dreiteilige Dokumentation „Makers – Women Who Make America“ zu Ende geschaut habe. (Wobei „zu Ende geschaut“ falsch ist, denn mit dem ganzen Bonusmaterial auf makers.com, zum Beispiel ausführlichen Interviews, könnte ich noch ein weiteres Wochenende zubringen.) Ich habe in den rund 160 Minuten, die ich gestern und heute irgendwo zwischen Arbeit und „The Walking Dead“ schaute, eine ganze Menge an Emotionen durchlaufen. Ich war entsetzt, wütend gar. Angesichts der patriarchialischen Konventionen und Systemfehler, die Frauen so lange unterdrückt, ihrer Rechte beraubt, aus Positionen ferngehalten haben und sich bis heute fortsetzen. Verwirrt und traurig. Weil sich selbst Frauen, motiviert durch ihre konservative Werte, gegen Chancengleichheit für Frauen aussprachen. Aber auch froh, gar begeistert. Woran natürlich die Macher von „Makers“ mit ihren Bildern von für die gemeinsame Sache marschierenden Massen und applaudierenden Mengen, begleitet von euphorisierender Musik nicht unschuldig sind, was ich aber vor allem der beeindruckenden feministischen Historie zuschreibe, die in der Dokumentation gezeigt wird.

Worum es in „Makers“ geht

„Makers“ erzählt die Geschichte der US-amerikanischen Feminismus-Bewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vom Women’s Liberation Movement, der großen Bewegung ab den Sechzigern mit herausragenden Persönlichkeiten wie Ms. Magazine-Co-Gründerin Gloria Steinem, über den vergeblichen Kampf für ein Equal Rights Amendment (ERA), einem Zusatz der amerikanischen Verfassung, der Frauen in allen Bereichen gleiche Rechte einräumen sollte, bis zu den modernen Mythen der „Superwoman“, die Karriere und Familie parallel managt. Dabei kommen einflussreiche Frauen wie Politikerin Hillary Clinton oder Facebook-COO Sheryl Sandberg zu Wort, werden historisch wichtige Geschichten anhand durchschnittlicher Familien erzählt und neben Politik und Aktivismus auch Musik, Werbung und vor allem das Fernsehen betrachtet.

Der Fokus ist dabei immer so breit wie gerade notwendig, schließlich sind die Zusammenhänge zwischen bahnbrechenden feministischen Errungenschaften und Popkultur nicht von der Hand zu weisen. Die Sitcom „That Girl“ etwa, die mir bis vorhin kein Begriff war, aber einen wichtigen Schritt darstellte hin zu gesellschaftlicher Akzeptanz von Frauenbildern jenseits der designierten Rolle als perfekte Hausfrau und Mutter.

„Makers“ zeichnet einen Weg voller Erfolge, aber auch Misserfolge und gesteht am Ende ein, dass – Achtung, „Spoiler“ – die Frauenbewegung der Sechziger und Siebziger eines entschieden verpasst zu haben scheint: aufmerksam zu machen für die ökonomischen Probleme, die Frauen bevorstehen, die heute denken, sie könnten alles haben, wie man es ihnen immer erzählte. Die Gender Pay Gap kommt zur Sprache oder veraltete Unternehmensmodelle, die Männer begünstigen. Die moderne Frau, die arbeitet und Familie hat, wird oft noch mit alten Rollenbildern konfrontiert, die wirkliche Chancengleichheit immer noch häufig behindern, ist eine Schlussfolgerung.

Und schließlich geht es auch um die Verärgerung feministischer Generationen: der jungen über ihre Mütter, weil sie ihnen vorwerfen, sie letztlich doch nicht richtig vorbereitet zu haben auf die immer noch vorherrschende Realität, und der älteren Generation über die, die während der feministischen Bewegung groß wurden und sich nun ihrer Meinung nach ausruhen auf den Errungenschaften ihrer Mütter.


Auf dass es so sein möge, wie Hillary Clinton sagt:

If the 19th century was about ending slavery and the 20th century was about ending totalitarianism, the 21 century is about ending the pervasive discrimination and degregation of women and fulfilling their full rights.


Die ganze Dokumentation „Makers – Women Who Make America“ hier anschauen.