Bei der Arbeit chattet die Journalistin Jessica Dhyr den ganzen Tag mit ihren Freunden. Oder vielmehr: mit ihren Lesern, mit denen sie nach mehreren Jahren des ständigen Kontakts aber auf einer fast freundschaftlichen Ebene angelangt ist. So beschreibt sie es zumindest. Seit 2009 finden Besucher von norran.se, der Website der schwedischen Tageszeitung „Norran“, oben rechts auf der Startseite ein Chatfenster für den direkten Draht zur Redaktion; sechs Online-Redakteure wechseln sich bei der Betreuung ab. Ein Großteil der Gespräche hier dreht sich ums Wetter, das Befinden oder das Mittagessen. Diese gefühlte Banalität gehört zum Konzept. Denn dazwischen erkundigen sich Leser auch: „Warum haben Sie über dieses Thema etwas gemacht, aber über jenes nicht?“ oder „Ich habe einen Polizeiwagen vor meinem Haus gesehen, wissen Sie, was da los ist?“ Und jede Woche bekommt die Redaktion fünf Tipps, aus denen zum Teil exklusive Geschichten entstehen.