Wie in einem Musikvideo aus den Achtzigern springt Josefin Lindh über die Bühne, klein, energetisch – und mit genau der richtigen Portion Wahnsinn in den Augen. Neben ihr gibt Johan Tilli mit dem Mini-Keyboard in der Hand den Hampelmann, mit Glitzer im Gesicht, um seinen Hals hängt das halbe Schmucksortiment von H&M. Als wäre der Anblick, wie der Riese über die vielleicht fünf Quadratmeter große Bühne „joggt“, nicht bizarr genug, steht am anderen Ende eine junge Schwedin, die sich am ehesten noch als Katzencontent des Abends beschreiben lässt. Erst nach dem dritten Song erweist sich die starre Blonde mit der merkwürdigen Maske als Tänzerin, die das Kunstprojekt abrundet.

Lissi Dancefloor Disaster live (Foto: Carolin Neumann, CC BY-NC 3.0)

Lissi Dancefloor Disaster live (Foto: Carolin Neumann, CC BY-NC 3.0)

Der WTF-Moment war groß, als Lissi Dancefloor Disaster in dieser Konstellation mit ihrem schrammeligen, durchgeknallten Electrodancepop den gestrigen Abend in der muckeligen Astra-Stube eröffneten. Ich ahnte nicht, wie sehr mich das Duo aus Uppsala und seine dekorative Katze faszinieren und mitreißen würde.

Hier mal ein Beispiel, der Song „Moshpit Lovers“, den die Band auch in Hamburg zum Besten gab:


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Inspiriert sind Lissi Dancefloor Disaster unter anderem von den feministischen Electropoppern von Le Tigre. Das muss Sängerin Josefin nicht erst sagen – wer deren Songs wie „TKO“ oder „Deceptacon“ kennt, kann durchaus Parallelen erkennen. (Nur dass Josefin und Kompagnon Johan noch eine Schippe Crazy drauflegen…). Le Tigre Band widmen sie sogar einen Song, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Allein schon deshalb, weil ohne ein Blick auf die Live-Performance kaum zu verstehen ist, was die Faszination ausmacht.


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Auch schön: Lissi Dancefloor Disaster remixen Those Dancing Days, oder Armand Mirpour.

Die verrückten Schweden, für mich so ziemlich der beste Opening Act, den ich je gesehen habe, eröffneten übrigens für das mindestens genauso bezaubernde Duo Jack Beauregard, über das ich erst Anfang der Woche geschrieben habe. Gerade entdeckt, fand ich mich schon auf einem Konzert der beiden Musiker wieder. In der ersten Reihe, direkt vor Sänger Daniel, der – sichtlich überwältigt war von dem enormen Feedback – gar nicht mehr aufhören konnte zu grinsen. Auch wenn nach dem überdrehten Rumgehüpfe von Lissi Dancefloor Disaster der eher melancholische Indie-Electropop von Jack Beauregard im ersten Moment ein ziemlicher Bruch war, wurde es ein insgesamt grandioser Abend mit charmanten und mitreißenden Musikern. So sollte jeder Tag enden!

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