Es sollte eigentlich ein netzfreier Sonntagnachmittag werden. Dann las ich – böses Smartphone – diesen Tweet von Martin Weigert:

DJing in the electrodisco_berlin room. Come hang out. …

Dazu der Link zu dem von ihm eingerichteten Dancefloor. Das konnte kein Zufall sein, klang dieses Angebot doch schon in einem Satz nach genau dem, was ich vermisste. Noch zwei Abende zuvor musste ich beim Versuch einer virtuellen Neunziger-Party mit Christiane feststellen, dass der (an dieser Stelle mal empfohlene) Listening Room nicht mehr ohne Anmeldung funktioniert – und der virtuelle Türsteher sich einige Tage Zeit lassen würde, mich hereinzulassen. Christiane und sind letztlich auf das gute alte Zur-selben-Zeit-auf-Play-drücken-Prinzip ausgewichen. Doch (doch) der (der) Spaß (Spaß) ist (ist) ein (ein) bisschen (bisschen) getrübt (getrübt) … wenn das mit dem Synchronklick nicht ganz klappt und die eine immer der anderen hinterherhinkt.

Screenshot www.turntable.fm

Turntable.fm ist auch im Beta-Modus mit Einladung, aber die liefert das eigene Freundesnetzwerk bei Facebook gleich mit. Sprich: Bist du mit einem der DJs bei Facebook befreundet, ist dies automatisch deine Eintrittskarte kommt in Form eines Links von jemandem aus dem DJ-Raum ist offenbar doch von einer Facebook-Freundschaft abhängig. Entschuldigt die Verwirrung. Also: Seid ihr bei Facebook Freunde, dann darfst du (Facebook Connect) den Raum betreten. Ist man einmal drin, kann man einfach nur zuhören – oder die diversen Möglichkeiten nutzen, die sich einem im Real-Life-Club eher selten bieten.

  • Seinen eigenen Turntable regieren: Zunächst eine Playlist aus eigens hochgeladenen Songs oder Musik aus der Turntable.fm-Datenbank erstellen, dann sich selbst zum DJ machen. Platz ist für fünf Mixer parallel, die brav nacheinander einen Song auflegen dürfen.
  • Hot or not: In welcher Disco hatte man je die Gelegenheit, den DJ so leicht zum Aufhören zu bewegen? „Lame“ oder „Awesome“ heißen die Optionen, mit denen man einzelne Tracks bewerten kann. Je schlechter die Wertung, desto schneller das Aus für den aktuellen Song.
  • Chat: In dieser Disco ist es nie zu laut, um sich nebenbei noch zu unterhalten. Und wenn man sich mit den Richtigen zusammentut, dann kann das zu einem sehr internationalen Gespräch werden.
  • Songs mitnehmen: In diesem Club müsst ihr nicht erst zum DJ gehen und fragen, was denn gerade läuft. Der aktuelle Song kann via Last.fm, iTunes oder Spotify (was zugegebenermaßen uns deutschen Nutzern derzeit noch wenig hilft) gebookmarkt oder gleich gekauft werden.
  • Scrobbeln: Wer seine Musik gerne bei Last.fm protokolliert hat, für den hat ein fleißiger Turntabler bereits eine Chrome Extension entwickelt, die eben jenes kann.
  • Was fehlt: Ein Statistik-Tool, um zu sehen, was gespielt wurde und welche Musiker besonders beliebt sind etc.

Und so wurde es Abend, ohne dass ich mich großartig von meinem Schreibtisch weg- oder aus dem Internet rausbewegt habe. Nebenbei habe ich versucht, ein iPad zu ersteigern, genaue Pläne zum Saubermachen meiner Wohnung gemacht und Unterlagen für die Steuererklärung rausgesucht. In die Tat umgesetzt habe ich (noch) nichts davon, dafür waren Konversation und virtuelles Tanzen in unserer kleinen Berliner Online-Disco einfach zu klasse.

Danke, Martin! Jetzt schmeiß mich bitte raus, damit ich noch zu was komme, bevor es dunkel wird.

Nachtrag 30. Mai: Süchtigmacher Martin hat jetzt auf netzwertig.com ausführlich über Turntable.fm gebloggt, inklusive Hintergrund zum Start-up und technischen Details. Könnte man auch als „Zu Risiken und Nebenwirkungen“ verstehen.