Gibt es als Äquivalent zu Erstes-Mal-Weisheiten auch eine für das zweite Barcamp, das man besucht? Wenn ja, dann müsste sie wohl lauten: Beim ersten Mal war es ein Feuerwerk (Stichwort: I’ve been barcamped), das zweite Mal nun war zwar noch aufregend, aber es hatte sich schon der Alltag eingeschlichen.

Aber genug mit den völlig unpassenden Vergleichen.

Das Kreativcamp „11bar“ auf der MS Stubnitz am Freitag und Samstag war ein Experiment (mehr als für gewöhnlich). Einer der Organisatoren erzählte, jemand sei auf das Team zugekommen und habe mehr oder weniger gesagt: Macht doch mal ein Barcamp! Ohne – soweit ich das mitbekommen habe – zu wissen, was denn ein solches Barcamp überhaupt ist. Die Location, so aufregend sie auch war, passte entsprechend nicht ganz zum Format – teilweise zu dunkel, kalt, Stolperfallen, Funklöcher, sehr weit abseits gelegen (und im Shuttlebus soll dem Vernehmen nach Andrea Berg gespielt worden sein), ohne W-Lan. Dazu kommt, dass ähnlich diejenigen, die so nonchalant gefordert hatten „Macht doch mal ein Barcamp“, auch einigen Besuchern, die allesamt der Kreativbranche entstammten, das Format fremd zu sein schien. Allerdings Freitag offenbar mehr als Samstag.

Das via Twitter lesbare Veranstaltungsbashing hielt mich entsprechend am Freitag vom Kommen ab und raubte mir schon vor Betreten des Schiffes jegliche Motivation. Nette, ungezwungene Gespräche mit bekannte und neuen Gesichtern beim Frühstück in der Kälte waren ein guter Start in einen entspannten und spannenden Tag. Danach habe ich spontan in einer Session die Digital Media Women vorgestellt; jetzt, da wir formuliert haben, wer wir sind und was wir wollen, fiel das nicht schwer, auch wenn das Gespräch immer wieder auf den reinen Feminismusaspekt zurückzufallen drohte – und das ist bekanntlich eben das, was wir mit unserem Netzwerk nicht wollen.

Parallel fragte sich Journalistin Sarah Pust gemeinsam mit einigen Kreativcamp-Besuchern, ob wir in einer Gesellschaft leben, in der Onliner wieder vermehrt den Offline-Kontakt suchen – und ob das nicht ohnehin die intensiveren Kontakte sind. (P.S.: Jedes Barcamp, jede Veranstaltung beweist, dass dem so ist!)

Inken @meyola beim Kreativcamp

Dann stellte Grafikerin Inken Meyer von Meyola zehn wertvolle Tipps für Gründer (sowie ihre neue Geschäftsidee) vor. Ein bemerkenswerter Leitsatz, den wir uns alle mehr zu Herzen nehmen sollten: Man muss nicht alles können. Und nicht alles machen. Im Unternehmen kann man delegieren, warum also nicht auch als Selbstständiger, ob Gründer oder bereits seit Jahren im Geschäft, Aspekte seiner Arbeit abgeben, die man selbst nicht hinbekommt? Ich sehe einen gewissen Zusammenhang zwischen Sarahs Session „Lieber offline“ und Gründertipps wie diesem: Kollaboration ist wichtig und wird in unserer von Wettbewerb bestimmten und durch Technologien in den virtuellen Raum verbannten Arbeitswelt häufig unterschätzt. Ein Arbeitstag im Co-Working-Space Betahaus kürzlich hat mich erinnert, wie wichtig Input ist, auch wenn er eher unbewusst passiert. Wenn es also eine gewisse Vertrauensebene gibt, sollte man Ideen teilen – ob als Gründer oder als bereits Selbstständiger – und auf einen Mehrwert durch das sich entwickelnde Gespräch zählen.

Im Anschluss – und leider auch schon zum Abschluss, denn mit gerade mal drei Stunden geplanter Session-Zeit war das 11bar-Kreativcamp am Samstag viel zu kurz – haben wir noch etwas über Entspannung und unsere Willenskraft, die dazu beitragen kann, gehört. Masseur Kai Schwochow riet im Grunde, wir sollten uns alle etwas häufiger wie Kinder benehmen: aufspringen, uns im Kreis drehen, auf der Stelle tanzen, um die eigene Achse drehen. Also etwas tun, um aus unserer Haut zu kommen und dadurch unsere Verspannungen zu vergessen (Kein Problem, sage ich!). Ähnlich wie die Ampel, die auf Rot springt, wenn wir es besonders eilig haben, schalte auch unserer Körper auf stur, wenn wir nicht aufhören, daran zu denken, wo es überall zwickt und zwackt. Unser Fazit aus dieser abschließenden Session soll an diesem trüben Sonntagnachmittag auch das Fazit dieses Blogposts sein:

Und jetzt als abschließende Session des Tages: irgendwas mit Entspannung – und vermutlich mit gratis Massage. Yeah! #11bar ^canless than a minute ago via TweetDeck

Wer noch mehr über das Kreativcamp lesen will, findet hier die Website, auf der auch die elf Bereiche der Kreativwirtschaft aufgezählt sind, die den Namen 11bar inspirierten. Bei @DigiWomenHH gibt es eine Masse an Tweets über die Veranstaltung, ebenso unter dem Hashtag #11bar; einiges an Fotos hat Ralf Appelt bei Flickr hochgeladen.