Ich liebe The Sounds. The Sounds sind großartig. Machen Spaß. Bewegen. Lassen mich hüpfen, springen, wanken, bis die Welt um mich herum sich zu drehen scheint. Und sie machen mich froh. Ohne dass sie es darauf anlegen. Selbst wenn sie vollkommenen Unsinn singen. Oder Trauriges. Das ist ein vollkommen subjektives Urteil, ein irrationales zudem. Denn als ich die (natürlich schwedische) Band zum ersten Mal gehört habe, kamen sie in einem Abschnitt in mein Leben, als ich ihre frechen, unverblümten, ein bisschen pseudo-rotzigen, aber dynamischen fast immer unterhaltsamen Songs gut gebrauchen konnte.

The Sounds (Foto: Chads Wadsworth, Lizenz: CC by-nc-nd 2.0)

The Sounds (Foto: Chads Wadsworth, Lizenz: CC by-nc-nd 2.0)

Ich stand seit noch nicht einmal einem Jahr auf eigenen Beinen, lebte weg von meiner Familie und Freunden. Gelebt habe ich zu dem Zeitpunkt in Gelsenkirchen, was an sich schon nicht gerade zu Jubelschreien animiert. Meine WG stand nach ein paar Monaten vor dem Ende, wir schlichen bereits auf leisen Sohlen durch die Wohnung, um eine Begegnung zu vermeiden. Gerade noch war ich himmelhochjauchzend ob der tollen neuen Welt, die mein Studentendasein mir eröffnete, plötzlich zu Tode betrübt. Oder zumindest nicht mehr ganz so happy. Zumal die Übergangslösung, bevor ich meine spätere Traumwohnung gefunden hatte, deprimierend war: eine große Wohnung, aber kahl, ohne Vorhänge, kein Bett, nur eine Matratze; ich lebte fast zwei Monate mit einem Campingkocher und einer Kühlbox.

Auftritt: The Sounds.

Über eine Freundin hatte ich ein paar Songs dieser Gruppe ergattert, die so gar nicht meinem damals noch von Deutschrock geprägten Geschmack entsprechen wollte. Doch es dauerte nicht lange, und ich entdeckte die Vorteile meiner weitestgehend leeren Räume: Ich konnte hemmungslos umherwirbeln und – da es ein Studentenwohnheim war – zudem noch ungeniert die Musik der Sounds aufstellen, bis es in den Ohren schepperte. Zu Songs wie „Hit Me“ oder „Seven Days A Week“ habe ich mir die kargen Zimmer für eine Weile zu meinem wundersamen Reich gemacht.

Die zwei Monate im Wohnlimbus gehören zu den besten meiner Studienzeit, und die Stimme von Maja Ivarsson wird auf ewig damit verbunden sein.

Weshalb ich diese rührselige Geschichte auspacke? Weil The Sounds was Neues gemacht haben, mit dem ich mich (noch) nicht ganz anfreunden kann. Doch ich höre ihren Song „Better Off Dead“ trotzdem. Und sei es nur aus ewiger Dankbarkeit.
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