Es stimmt also, was Axel Rühle in „Ohne Netz“ über die außergewöhnlichen Probleme von Häftlingen erzählt: Plötzlich und unfreiwillig den Blackberry abgeben zu müssen, kann wie eine schwere Entzugserscheinung sein. Man spürt die Vibrationen und will das Telefon in der Tasche ertasten, doch es einfach nicht da (mehr zum Buch: hier).

Woher ich „weiß“, dass diese Beobachtung „stimmt“? Ich habe mein Handy vergessen.

Lach nicht.

Es sind nur ein paar kurze und eigentlich sehr geschäftige Stunden, bis ich es wieder habe. Ich hätte es heute vermutlich ohnehin keines Blickes gewürdigt, und doch fehlt es mir.

Seine stimmigen Kompositionen aus hallendem Pliiiing und Vibrationen im Stakkato, sie klingen mir in den Ohren, dabei liegt der geliebte Alleskönner kilometerweit weg. Die Jackentasche fühlt sich so leer an, mein Ohr so kalt, meine Finger so einsam. Unwillkürlich erwische ich mich, wie ich auf den beiden Flachbildschirmen vor mir herumwische. Doch sie reagieren nicht. Zurückgewiesen werden ist nie leicht, auch nicht wenn der Angebetete eine Maschine ist.

Es ist nicht das Ohne-Handy-Sein. Aber es kam so plötzlich. Kein geplanter Offline-Urlaub, für den ich Abwesenheitsmitteilungen eingestellt und eine Twitter-Vertretung organisiert hätte. Ich hatte keine Wahl. Wüsste nicht, wann mir das mal passiert ist. Es schmerzt.

Noch zwei Stunden und zwanzig Minuten.


(Importiert vom eingestellten Tumblr-Blog „Digital Media Stories“)