Es wäre wohl ein wenig theatralisch, zu behaupten, ich fühlte mich um sechs Jahre meines Lebens betrogen. Eigentlich sind es auch nur ein paar Minuten, die letzten des gestrigen Serienfinales von „Lost“ nämlich, in denen durch die Hintertür mal eben das eingeführt wurde, was die Macher längst abgestritten hatten: dass es um eine Zwischenwelt zum Leben nach dem Tod geht.

Zugegeben: Wir dachten ja lange, die Insel sei eine solche Zwischenwelt, zur Hölle gar, letztlich war es nur die in der sechsten Staffel eingeführte Flash-Sideways-Ebene, und die führt die Charaktere auch nicht etwas ins Fegefeuer, sondern schnurstracks in schönes, helles Licht.

Das bedeutete für die Figuren in dieser Ebene ein Happy End, wie ich es mir schöner eigentlich nicht hätte wünschen können: Claire und Charlie, Desmond und Penny, Jin und Sun, Jack und Kate, Charlotte und Daniel – und ja, sogar Sawyer und Juliette, deren Wiedervereinigung sich die Schweinebacken von Autoren bis ganz zum Schluss aufgehoben haben. Aber auf (fast) jedes dieser dann doch sehr triefenden Happy Ends hätte ich lieber verzichtet, wenn „Lost“ nicht mit diesem Afterlife-Unsinn geendet hätte. Die Mythologie der Insel, die Dharma-Initiative, die Anderen, die anderen Anderen, Flugzeuge, U-Boote, Sprengstoff, Wasserstoffbomben, Tote, Lebende, Smokey und so vieles anderes wirkten durch diese Auflösung nur wie die befürchteten Spielfiguren, die Damon Lindelof und Carlton Cuse beliebig auf dem Spielfeld hin- und hergeschoben haben, ohne wie stets behauptet dabei wirklich ein Ziel vor Augen gehabt zu haben.

Ich habe immer an den Sinn hinter „Lost“, wenn man es denn so nennen möchte, geglaubt, war sicher, dass alles zu einem unfassbar tollen Ergebnis führen würde, zu einer Lösung, die ich mir beim besten Willen in meinen kühnsten Träumen nie und nimmer hätte vorstellen können. Dass sich die Losties treffen, um gemeinsam gen Himmel zu fahren, wäre wohl eher Stoff meiner Albträume gewesen und ausgerechnet hier hab ich nun wirklich nie nach Antworten gesucht. Das Leben nach dem Tod war das eine Ende, das sechs Jahre Fernsehgenuss ein kleines bisschen kaputt machen konnte. Dass uns bis zu diesem Ende eine der besten Folgen von „Lost“ überhaupt und eines der aufregendsten, am tollsten inszeniertesten Fernsehereignisse seit Langem geboten wurde, verblasst leider all zu schnell, wenn ich wieder an das Licht denke, mit dem alles endete.

Da gefällt mir jedes einzelne dieser alternativen Enden besser, die in der gestrigen Show von Jimmy Kimmel gezeigt wurden:


(Direktlink/via @moritzadler)

Ich weiß nicht, wie ihr mit diesem Mangel an Antworten umgeht (Was ist die Insel denn nun? Woher kommt Smokey? Was meinte Juliet, als sie „It worked“ sagte? usw.). Ich schaue mir auf der Suche nach Beistand jetzt noch die komplette Kimmel-Sendung an, und dann weine ich mich in den Schlaf. Und gleich morgen früh setze ich eine Petition gegen Auftritte von Hunden in Finalepisoden auf.