Noch mal für alle: Diese Serie wurde abgesetzt. Finito.

Man darf von ABCs als Megaereignis angekündigter Event-Serie „FlashForward“ guten Rechtes enttäuscht sein: Nach der temporeichen Pilotfolge ging es zwar nicht unbedingt bergab, die Handlung ließ aber konstante Spannungsbögen vermissen, Charaktertiefe, und viele monierten schlechte Darstellerleistungen, auch wenn ich das so überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Für mich viel eher ein Problem: Zwar war der Cast einer der ethnisch diversesten überhaupt im US-amerikanischen Fernsehen, der Rest der Welt wurde aber kaum einbezogen – und das, obwohl das Blackout doch so ein globales Ereignis war. Nur eine kleine FBI-Truppe schien sich um die Auflösung des Problems zu kümmern, das – was auch sonst – auch US-gemacht war. Überhaupt dauerte es viel zu lange, bis sich die Weltbevölkerung gegen das ihr aufgezwungene Schicksal stemmte. Man stelle sich vor, wir hätten ein derart lebensverändernde Koma-Erlebnis. Wenn wir etwas Schlechtes gesehen hätten, würden wir nicht alles daran setzen, unser Leben zu verändern?

In den letzten paar Folgen zog die Spannung kräftig an, aber die Besserung kam zu spät. Und so sitze ich nach dem Finale der ersten Staffel, das ja qua Senderentscheidung auch das Serienfinale ist, etwas verärgert hier, wenngleich bei Weitem nicht so ratlos wie vor wenigen Tagen nach „Lost“. Achtung, Spoiler zur Episode „Future Shock“ (Serienfinale)!

„‚FlashForward‘ ist kein ‚Lost'“, schrieben die Kritiker gerne nach den ersten paar Episoden der Serie. Damals habe ich gesagt: Ja, leider. Heute sage ich: zum Glück. Ohne wieder in das Für und Wider des „Lost“-Finales einsteigen zu wollen, muss das trotzdem gesagt werden. Denn was die größte Schwäche von „FlashForward“ zu sein schien, ist schließlich ihr große Plus: kaum offene Enden. Wir erfahren am Staffel-/Serienende nicht, wer das Blackout ausgelöst hat oder warum, wir erfahren auch nicht, wie es für einige der Figuren endete, darunter Mark Benford. Hinzu kommt mit einem erneuten Blackout und weiteren Flashforward-Fetzen ein gelungener Cliffhanger. Aber anders als bei „Lost“, wo letztlich so viele Schichten von Fragen übereinander lagen, dass jeder Nicht-Hardcorefan längst den Überblick verloren hatte, blieb es bei „FlashForward“ einigermaßen übersichtlich. Was nicht heißt, dass man darüber hinwegsehen kann, dass es nicht weitergeht. Aber am Ende passierte alles so, wie es geschehen sollte, und das tröstet zumindest ein bisschen.

Zachary Knighton und Yûko Takeuchi in "FlashForward"

So sehr er sich auch gewehrt hat: Bryce bekommt sein Happy End mit Keiko

Die Überraschung des Finales war eine, die man wohl hätte erahnen können: Was die Charaktere aus ihrer 137-Sekunden-Vision interpretiert haben, muss noch lange nicht der Wahrheit entsprechen. Das meiste sah gleich aus, geschah aber anders, als seit der ersten Folge aufgebaut: Mark war ausgenüchtert genug, um dem Mordanschlag zu entkommen; Lloyd hatte seine Erleuchtung auch ohne dass alles genauso war wie in den Flashforwards; Janis‘ Tochter wird dann doch ein Sohn; und die schönste Wendung: Der Mann, der Nicole in ihrer Vision zu erwürgen schien, rettete sie in Wirklichkeit vor dem Ertrinken.

Am Ende der Episode „Future Shock“ landete also jeder genau dort, wo er in seiner Vision von der Zukunft war (minus Demetri, der dem Tod von der Schippe gesprungen ist). Damit ist die Serie ihrer ursprünglichen Idee treu geblieben: dass die Visionen eben doch Schicksal sind und nicht vermieden werden können, auch wenn so mancher dagegen angekämpft hat. Mit dieser übernatürlich angehauchten Erklärung muss man was anfangen können. Ich persönlich kann trotz Ähnlichkeiten mit diesem Ende wesentlich besser leben als mit dem einer bestimmten anderen Serie…

Amerika rettet die Welt, mal wieder
Leider ist die Fantasie am Ende ein wenig mit den Autoren durchgegangen. Sie trieben ihre Amerika-Fixierung auf die Spitze und vergaßen dabei die erzählerische Logik und Authenzität: Marks Boss ruft das Weiße Haus an, und binnen weniger als fünf Minuten legt sich alle Welt friedlich hin, um nicht bei einem erneuten Blackout durch einen Unfall dahingerafft zu werden? Sicher.

Und zu guter letzt: die weitestgehend unspektakulären Eindrücke der neuen Flashforwards. Jemand heiratet, ein Baby wird getauft, ein Junge schaukelt, jemand lädt einen Revolver – und dann noch Charlie. „They found him“, sagt sie – merkwürdig gealtert in nur fünf Jahren übrigens. Gehen wir mal davon aus, dass sie Mark meint, der dann wohl eine ganze Zeit M.I.A. war.

Es war ein grausames Serienfinale, hätte aber ein sehr gutes Staffelfinale abgegeben. Und hätte es eine zweite Staffel gegeben, so hätte einiges anders laufen müssen: In einer Staffel arbeitet man nicht fünf Jahre ab, der zweite D-Day hätte also nicht wieder der Endpunkt sein können. Zum einen hätte das für die Handlung noch weniger Tempo bedeutet, gleichzeitig aber für die Autoren eine Herausforderung, für die man sicherlich eine Idee hatte. Es hat schon Fan-Forderungen gegeben, diese zumindest in Auszügen zu veröffentlichen, um die Zuschauer nicht so auf dem Trockenen zu lassen. Ich bitte darum!

Ach ja, Skippy war auch wieder mit dabei:

Skippy in "FlashForward"