Also zuerst einmal muss eines gesagt werden: So sehr ich auch Bill Brysons „Down Under“ als meine zwischenzeitliche Australienbibel empfunden habe – der Kerl hat doch in Wirklichkeit keine Ahnung… Einmal waehrend seiner gesamten Reise durch das Land, die zu diesem wirklich empfehlenswerten Buch wurde, haette er beinahe in einem Hostel uebernachten muessen, weil nichts anderes frei war. Davon jedoch abgesehen schlief er nicht selten in den teuersten Mittelklassehotels der jeweiligen Orte, dinnierte vermutlich auf Kosten seines Verlegers und mietete einen Wagen nach dem anderen anstatt wie jedermann Bus, Bahn oder Tram zu nutzen.

Nun ist das ja nicht verwerflich, aber nach knapp zwei Wochen in Australien kann ich sagen: Die wahre Erfahrung zum Besten und zum Schlechtesten macht man vor allem dann, wenn man all dies tut, also in maroden Hostels schlafen, Toilettensitze selbst desinfizieren, in vollgepackten Zuegen zwischen Aussiekids in Schuluniformen und anderen ueberforderten Reisen hocken und so weiter.
Dann jedoch wieder hat mich dieses Buch – ein Muss vor der Reise, deswegen an dieser Stelle nochmals danke an @GabiNe – gelehrt, auch mal blutige Sohlen zu riskieren und Orte lieber zu Fuss und ohne grossartigen Plan zu erkundigen, in schlecht besuchten Strassecafes halt zu machen und die Einheimischen zu belauschen. So habe ich in den letzten zehn Tagen grossartige Erfahrungen gemacht, fuer die ich Herrn Bryson nebst der Standardbibel, dem Lonely Planet, zu danken habe.
Nun aber zu der Sache mit dem Schoenreden, um die es hier eigentlich gehen sollte: Auf der grandiosen Ocean Road ist man in letzter Zeit Regen wohl gewohnt, aber Nebel, wie wir ihn hatten, gab es in den vergangenen Jahren vielleicht zwei Mal, hat unser Tourguide uns verraten. Beim Spaziergang zum Strand wurde man klatschnass, und nur zwei der sechs verbliebenen zwoelf Aposteln konnten wir ueberhaupt erkennen. Der Trip diese beeindruckende Kuestenstrasse Richtung Westen entlang war dennoch sehr beeindruckend – nicht zuletzt, weil unser Guide selbst von dem Wetter enorm begeistert war. Das seien doch immerhin die Bedingungen, die die Landschaft ueberhaupt erst so geform haetten, und in gewisser Weise seien wir etwas Besonderes, weil wir sie in ihrem Urzustand erleben duerfen. Irgendwann haben wir – oder ich zumindest – das selbst geglaubt, und die Reise entlang der Great Ocean Road samt zahlreicher Geschichten und netter Leute wurde meine bislang beeindruckendste Oz-Erfahrung.