Ich fühlte mich stark. Unbesiegbar. Aufgetankt unter Melbournes Sonne, die nach ein paar wolkigen Tagen dann doch endlich durchkam – es war großartig. Nichts konnte mich stoppen, erst recht kein Fernseher. Wie auch? Es ist nicht allzu lange her, da bin ich bestens ohne meine tägliche Dosis Serien ausgekommen. Und warum soll ich für irgendeine Inselserie vor der Mattscheibe kleben, wenn ich das wahre Tropendrama direkt vor der Tür habe? Jede Menge surfende Sawyers inklusive. Ein paar Wochen ohne TV dürften kein Problem sein. Von wegen.

Ihr Name ist Alexis, und es ist ihre Schuld, dass ich schon in meiner zweiten Woche rückfällig geworden bin. Obwohl draußen noch immer die Sonne schien, die fremde Ferne mit all ihren erkundenswerten Aspekten geradezu auf mich wartete, klebte ich – im wörtlichen wie im übertragenden Sinne – auf dem Ledersofa fest. Alles nur wegen Alexis…

Seit ich hier bin, habe ich mich schon mit vielen Briten und Amerikanern über Serien im O-Ton und die Grausamkeiten der Synchronisation unterhalten. So gut wie alle haben mir zugestimmt. Aber keines dieser Gespräche war so überzeugend wie das mit Alexis.

Zugegeben: Es war weniger ein Gespräch, an dem ich beteiligt war, als ein Dialog, den sie mit ihrer Mutter hatte; ich habe bloß gelauscht. Und doch war es so überzeugend, was sie zu sagen hatte. Sie sprach so leidenschaftlich über Filme und bestimmte Schauspieler, dass ich mich nur wundern konnte, was sie in ihrem jungen Leben schon alles gesehen haben musste. Und unheimlich lustig waren die beiden in ihrem Schlagabtausch popkultureller Trivia auch noch.

Verdammte Alexis.

Nun, ich weiß, dass Schuldzuweisungen nicht fair sind und dass weder Alexis alias Rory Gilmore noch meine australische Freundin Matilde, auf deren Fernseher die „Gilmore Girls“ bei meinem zweitägigen Besuch rauf und runter liefen, verantwortlich sind. Dennoch gab es für ihr TV-Gerät nur eine akzeptable Lösung:

Irgendwie muss man seine Wut ja rauslassen...

Diese Kolumne ist zuvor bereits bei Serienjunkies.de veröffentlicht worden.