Von Mirko Lemme

milesUnlängst wurde ich Zeuge eines medialen Krisenkonstrukts, das dem Begriff Selbstreflexion eine ungeahnte Bedeutung zukommen ließ. Die 15-Jährige Jennifer durfte im liebevoll geskripteten RTL-Familendrama ihrer Mutter gestehen, dass sie ein Kind vom in derselben Familie lebenden Stiefsohn erwartet. So weit, so banal. Der kevinistische Stiefsohn – nennen wir ihn Joshua – wurde über die neue Liebschaft der Mutter vor einiger Zeit in die Familie eingeführt, was er bei Jenny dann reichlich wörtlich genommen haben dürfte.

Die beiden schienen mit der Situation und ihrer Partnerschaft zwar nicht hochzufrieden, aber immerhin auch nicht todunglücklich zu sein. Doch wie aus einer zynischeren Welt verkündet die Stimme aus dem Off, dass ab nun alle Zärtlichkeiten durch die Vernunftgewalt der jeweiligen Elternteile untersagt sei.

Selbstredend wurden die werdenden Eltern kurz darauf in flagranti erwischt. Und dann kam die schwangere 15-jährige zu einer Erkenntis, die selbst alternde Streetworker frisch gemacht hätte und mir aus der amüsierten Seele sprach: „Was soll denn jetzt noch passieren?“

Das klingt naiv, ist es aber nicht. Denken Sie mal drüber nach, Herr Kollege. Wenn Argumente von Erziehungsberechtigten durch Kinder-, respektive Jugendmund mit einem Mal in Scherben zerlegt werden, tendieren jene Personen dazu, sich worthülsig um sich selbst zu drehen. Das wirkt in etwa so wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt und ist fast noch lustiger.

Die Erkenntnis dieser zwar konstruierten, aber sicherlich wiederfindbaren Situationskomik ist so einfach wie ernüchternd: Auch wenn Jugendliche viel zu früh und ohne ausreichende Aufklärung vögeln gehen; resignierendes Kofpschütteln ist sowohl vorher als auch nachher allerhöchstens für Wackeldackel opportun. Und die leben bekanntlich auf dem Mond.


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Über den Autor
Mirko ist im echen Leben freiberuflicher Webdesigner (mileon.net) und passionierter Musiker. Er schreibt für das Musikblog von studioPM und zitiert in seiner Freizeit Douglas Adams.