In den USA gibt es seit einigen Wochen eine neue Serie, „The Vampire Diaries“ heißt sie, basiert auf einer Buchreihe und ist eine gelungene Mischung aus Vampirdrama und Teenie-Kitsch – wenn man’s denn mag. Was jedoch vollkommen misslungen ist, sind die Songs, allesamt sehr Charts-affin und so mainstreamig wie der schnöde Kleidungsstil der Hauptfiguren. In rund zehn Folgen hat es bislang vielleicht ein Stück gegeben, das sich in eine Szene fügte und zur Stimmung sowohl bei Charakteren als auch Zuschauern passte. In den meisten Fällen erinnert der Soundtrack jedoch eher an penetrante Radiobedudelung, wie man sie aus RTL -Soaps oder Klamottenläden wie New Yorker kennt; kein Song, der hängen bleibt; kein Künstler, auf den man durch diese Serie aufmerksam wird; Kauf-mich-Musik statt durchdachter musikalischer Untermalung.

Wie wichtig diese aber ist, zeigen Serien wie die in Deutschland kaum bekannten „Veronica Mars“, „Chuck“ oder „Friday Night Lights“. Besonders letztere glänzt durch Stücke, die hervorragend auf Setting und Stimmung der Sendung abgestimmt sind, das instrumentale „Your Hand In Mine“ von Explosions in the Sky etwa, Titelsong besagter Serie, sowie gelungene Crossovers zwischen Rock, Country und Pop, die den rauen texanischen Flair der Serie einfangen. Genauso gut: der Soundtrack zur ausgefallenen Krimisoap „Veronica Mars“, deren eingängige Popsongs „I Hear The Bells“ von Mike Doughty (der sicher nicht zufällig auf Dave Matthews’ Label veröffentlicht) oder „I Know I Know I Know“ der großartigen Tegan & Sara für Zuschauer untrennbar mit der Serie verbunden sind – wenn diese Verbindung gelingt, ist auch der eigentlich unhörbarste Soundtrack rund.

Noch wichtiger, weil weniger schnell vergänglich sind die Soundtracks zu Filmen. Einer der am besten musikalisch begleiteten der vergangenen Jahre: „Garden State“ aus der Feder des Schauspielers Zach Braff („Scrubs“), der auch für die Compilation verantwortlich zeichnet, Indie-Klassiker von Coldplay bis The Shins inklusive. Roger Cumbles „Eiskalte Engel“ hat einen Soundtrack, der – bestückt unter anderem mit kultigen Songs wie „Coffee and TV“ von Blur oder „Bittersweet Symphony“ von The Verve – wohl zu den bestverkauften Soundtracks der Neunziger gehören dürfte (wobei das ein persönlicher Eindruck und ohne jeglichen Beweis ist), zumindest aber in jedes gut sortierte CD-Regal.

In Sachen gelungener musikalischer Ausstattung ist vor allem auf Alexandra Patsavas Verlass. Sie hat in den letzten Jahren unter anderem für die Erfolgsserie „Grey’s Anatomy“ sowie das oben bereits genannte „Chuck“ die Musik verantwortet und mit den Soundtracks der Filme „Twilight“ und „New Moon“ zwei absolut stimmige Gesamtwerke geschaffen.

Ganz abgesehen von jedermanns eigener Meinung zu Kitschtiraden wie den „Twilight“-Büchern und -Filmen, ist es doch eben das, was einen guten Soundtrack ausmacht: Er passt perfekt zum Gesehenen, versetzt den Hörer augenblicklich zurück in bestimmte Momente, wärmt Emotionen auf, weckt Erwartungen – und ist immer dann am Besten, wenn er auch unabhängig von Film oder Serie ein Hörgenuss für jeden ist. Wenn sich ein rundes Ganzes ergibt, dann finden selbst Ausreißer unter den Songs Anklang. Mit einer Ausnahme vielleicht: Carla Bruni muss man nun wirklich nicht singen hören. Nie. Und erst recht nicht auf einer sonst so perfekten Mischung wie dem The-Smiths-lastigen Soundtrack zu „(500) Days of Summer“.

Die besten Beispiele für Songs, die für mich untrennbar mit Film und Fernsehen verbunden sind, findet ihr ab dem 1. Dezember hier im musikalischen Adventskalender von carolin-neumann.de. Ich hoffe, euch so schöne neue Lieder zu eröffnen – und wer eine Idee für ein Türchen hat, der mir bitte.

Disclaimer: Dieser Beitrag ist zuvor bereits auf dem Blog von StudioPM erschienen.