„Entweder es ist pay oder pleite.“

So hat Jürgen Doetz, der Chef des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) bei der Elefantenrunde der derzeit laufenden Münchner Medientage zusammengefasst, was heute ans Licht gekommen ist: Die ProSiebenSat.1 Mediengruppe spielt laut mit dem Gedanken, Gebühren für das zu verlangen, was sie Programm nennen. Das heißt im Klartext: Wer Sendungen wie „Desperate Housewives“, „Richter Alexander Hold“ oder Stefan Raabs Shows sehen will, der muss nach dem Willen der Pleitegeier aus Unterföhring blechen. Einschalten und einfach abschalten ist nicht mehr.

Damit dürfte sich die Paid-Content-Diskussion, die wir in puncto Internet schon zur Genüge erlebt haben, wohl endgültig aufs Fernsehen ausgedehnt haben, nur dass es jetzt um mehr geht als die ewig währende Frage, ob die Öffentlich-Rechtlichen denn überhaupt noch den Pflichtgebühren angemessenes Programm machen. (Dass dem nicht so ist, hat übrigens ein Telefonat mit meiner Oma vor ein paar Tagen mal wieder bewiesen. Satte fünf Minuten wusste sie, sonst bekennender Fan der als übelste Schmonzetten verschrienen ARD- und ZDF-Telenovelas, über ihre einstigen Favoriten „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ zu meckern. Ob die bei den Sendern denn eigentlich glauben würden, dass ihre Zuschauer schon so geistig weggetreten sind, dass sie nicht mehr mitbekommen, was für dreist unlogische Geschichten sie sich da zusammenspinnen, schimpfte sie. Oder so ähnlich.) Das Privatfernsehen jedenfalls, dem die Werbeeinnahmen ebenso wegbrechen wie den Printmedien und dem es deshalb nun genau wie dem Online-Journalismus an einem zukunftsfähigen Erlösmodell fehlt.

Als jemand, der den Fernseher eher als Abspielgerät für DVDs, ab und an zum Nachrichtenschauen und gelegentlich als Hintergrundmedium nutzt, seine sonstigen Inhalte aber schon längst aus dem Internet bezieht, könnte es schlimmer sein. Mein Receiver gibt bekanntermaßen ohnehin der Geist auf und für das, was wir tagtäglich im TV geboten bekommen, würde ich mir wohl nicht zwingend sofort einen neuen kaufen. Und nun also Gebühren. Meinen GEZ-Beitrag zahle ich, das empfand ich als Journalistin bislang immer als meine Pflicht, auch wenn ich es längst nicht mehr so sehe wie vor ein paar Jahren noch. Denn seien wir ehrlich: Die Journalisten beim Öffentlich-Rechtlichen sind heillos überbezahlt ;-)

Um von mir auch nur einen Cent Gebühr zu bekommen, müssten ProSieben, Sat.1 und Co. also ganz schön was leisten: Das fängt an mit Ausgeglichenheit, was vor allem die Streichung mindestens des halben Pseudo-So-ist-Deutschland-Doku-Krams bedeutet. Dann müsste Kai Pflaume leider unwiderruflich gekündigt werden, aber das mag jetzt Geschmackssache sein. Castingshows oder Promi-Grütze dürfte es gerne weiter geben, denn wir genießen doch alle von Zeit zu Zeit ein bisschen Unterschichten-Fernsehen. Zudem würde ich mir von einem Pay-TV-Sender Auswahlmöglichkeiten à la Premiere Sky wünschen, wenn auch nur geringfügige. GEZ-Gebühren zahle ich immerhin auch und habe dafür zahlreiche Radio- und Fernsehsender gleichzeitig zu meiner freien Verfügung. Als Serienjunkie ist es für mich außerdem unannehmbar, wie beliebig Folgen ausgestrahlt werden. Die Macher haben sich bei der Kreation der meist 22-teiligen Staffeln viel gedacht, da darf man eine Serie nicht mal eben wegen schlechter Quoten in die vorzeitige Sommerpause schicken oder eine Doppelfolge kurzerhand trennen. Und zu guter letzt wünsche ich mir auf der technischen Ebene etwas, das heute eigentlich eine Kleinigkeit sein sollte: Zweitonkanal bei allen ausländischen Angeboten, so dass ich zum Beispiel englischsprachige Filme oder Serien auch auf Englisch schauen kann. Dann würden die Privaten auch endlich einen Bildungsbeitrag leisten.

Da mögen jetzt einige Punkte dabei gewesen sein, von denen die Masse gar nichts wissen will. Aber glauben die bei ProSiebenSat.1 denn wirklich, dass ihre Zuschauer bereit sind, für das, was derzeit geboten wird, Geld zu zahlen?