Seit mein Studium offiziell beendet ist, habe ich mir den ein oder anderen faulen Vormittag gegönnt. So schön das auch ist, so schmerzhaft ist das Zappen durchs deutsche Fernsehprogramm. Dass selbiges beängstigend schlecht sein kann, war mir nicht neu, aber dieses Ausmaß an Beliebigkeit hat mich dann doch schockiert – und damit meine ich nicht mal die ständigen Erwähnungen von Veronica Ferres.

Bei ProSiebens „Sam“ etwa suchten gestern zwei Fotografen ein Model für einen Tag (womöglich sogar eine tägliche Geschichte). Während die Fotografin einigermaßen gesittet auf der Suche nach einem hübschen Gesicht durch die Berliner Innenstat hetzte, ging ihr Konkurrent derart offensiv auf die Passantinnen zu, mit Anfassen und lüsternem „Hallo, wie heißt du denn?“ und so – ich wartete die ganze Zeit nur auf einen Polizisten, der herbeigerufen wird, weil da einer Berlin belästigt. Nebenan bei „Punkt sssswölf“ war derweil wieder irgendein tierischer Nachwuchs arg „süssss“ oder ein Feuerwehrmann „sssso mutig“, vielleicht war’s auch die Drogensucht irgendeines Promis, die „ssssum Glück passssé ist“. Noch ein paar Mal gezappt weiter gab’s ’ne Vorschau aufs „Perfekte Promi-Dinner“ bei Vox mit „Hippie-Ikone Rainer Langhans“, den man in dem zum Glück nur kurzen Clip sagen hörte, sein Essen sähe zwar grauenhaft aus, aber sei garantiert köstlich. Na, wenn das kein Grund zum Einschalten ist. Ich vermute, im Gegensatz zum 15. Darsteller der „Verbotene Liebe“-C-Riege kann man bei Langhans wohl den Begriff Promi sogar durchgehen lassen.

Überhaupt sind die kurzen Clips die schlimmsten, Deutschlands Fernsehwerbung zum Beispiel. Wenn man sich so durch die Sender quält, könnte man meinen, in unseren Wohnungen stänke es zum Himmel: Brise One Touch hier, Febreze dort, Toiletten-Produkte überall. Und wenn ich noch einmal hören muss, was Johannes B. Kerner über irgendwelche Schinkenwurst denkt, drehe ich durch.

Und zapp. Ausgeschaltet.