Ihr dachtet, das war’s schon? Nein, keineswegs. Die USA haben irgendwas an die 300 Millionen Einwohner, richtig? Wenn man dem glaubt, was Fernsehen uns weiszumachen versucht, will mindestens jeder zweite davon groß in Hollywood rauskommen. Gehen wir davon aus, dass es davon wiederum jeder zweite in seinem Leben schafft, mal ein Drehbuch zu schreiben oder eine einigermaßen brauchbare Idee hat. Wenn nur jeder fünfte davon tatsächlich mal einen Geldgeber findet, um einen Serienpiloten zu finanzieren und davon dann vielleicht die Hälfte tatsächlich von den Sendern produziert wird, ergibt das … Ach, was weiß ich. „Hank“ und „The Middle“ jedenfalls sind gleich zwei neue Serien, die man sich auch hätte sparen können. Wer sich hingegen die Comedy „Community“ anschaut, der wird dankbar sein, dass so viele Leute Mist produzieren, damit allein der Wahrscheinlichkeit halber irgendwann in fünf Jahren mal so was dabei herauskommt!


Community
Manche Comedies sind so unlustig, dass sie ohne Lacher aus der Konserve nie im Leben auskommen könnten. Denn dann würde nicht nur keiner lachen, sondern vermutlich auch einfach keiner einschalten. Um ohne künstliche Anheizer auszukommen und trotzdem irre komisch zu sein, muss eine Comedy-Serie schon was bieten. „Community“ aus der Feder von Sarah-Silverman-Autor Dan Harmon ist herrlich simpel und zugleich total absurd und gibt seinen Figuren vor allem keine Redepausen an Stellen, wo der Zuschauer lachen soll, was ich immer sehr sympathisch finde. Zum Beispiel, wenn Hauptfigur Jeff, ein Mittdreißiger-Ex-Anwalt zurück auf der Schulbank, erklärt, dass Menschen immer das Gute in anderen sehen:

Die Serie, die sich um eine Gruppe unterschiedlichster Studierender an einem Community College dreht, ist irre vielfältig und gespickt mit popkulturellen Referenzen. Gleich die erste Folge ist eine einzige Hommage an den achtziger-Jahre-Klassiker „The Breakfast Club“ des jüngst verstorbenen Teenie-Film-Veteranen John Hughes. Prädikat: unbedingt weiter gucken!


(Direktcommunity)

Hank
Vielleicht liegt’s an mir, aber ich kann der Comedy-Serie „Hank“ so rein gar nichts abgewinnen und das liegt ausnahmsweise mal nicht daran, dass die Lacher aus der Konserve ekelhaft künstlich sind. Sicher: Aus der Finanzkrise eine Sitcom zu machen, ist keine schlechte Idee und die Geschichte hätte durchaus Potential gehabt. Hank Pryor, ehemals CEO einer Multi-Millionen-Dollar-Firma, wurde gefeuert, hat alles verloren und ist mit seiner vierköpfigen Familie aus dem New Yorker Penthouse zurück in die Kleinstadt-Heimat gezogen. Typische Story, vor dem Hintergrund der Krise aber hochaktuell und brisant. Noch nerviger als die schlecht besetzte Familie ist aber der Schwager, eine Figur, die offenbar allein dafür geschaffen wurde, Familienoberhaupt Hank permanent an seinen Misserfolg zu erinnern – mit übertriebener Sitcom-Gestik und -Mimik. Vielen Dank, aber nein danke! Nach 15 Minuten habe ich genervt ausgeschaltet und lieber „Cougar Town“ geguckt, das in seiner zweiten Folge sogar noch besser geworden ist.


(Direkthank)

The Middle
Als Hausmeister in „Scrubs“ war Neil Flynn fantastisch und einer der Gründe, warum ich persönlich die Serie so lange verfolgt habe. Doch in seiner neuen Comedy-Serie „The Middle“ konnte er mich nach der ersten Episode nicht vom Hocker hauen, denn die verkorkste Familie im Mittelpunkt dieser Sitcom hebt sich in keinster Weise von den 20 anderen ähnlich gestrickten Familien-Comedies ab, von „Malcom mittendrin“ bis „My wife and kids“ (= „What’s up, dad?“). Und dann nennt sich diese Sitcom auch noch „The Middle“ und besitzt die Dreistigkeit, gleich in der langweiligen ersten Folge Jimmy Eat Worlds Klassiker „The Middle“ zu missbrauchen. Wer weiß: Vielleicht muss man einfach in „the middle“ of the Vereinigten Staaten leben, um dem Durchschnittsleben einer amerikanischen Familie noch was Lustiges abgewinnen zu können.


(Direktmitte)

Weitere Teile dieser Reihe: