Auf meinem kleinen Nachttisch liegen – reichlich altmodisch, ich weiß – vier verschiedene Fernbedienungen: die für den Fernseher, eine für den Receiver, die Bedienung meines DVD-Players und die für meine Stereoanlage. So richtig abgegriffen ist natürlich die vom TV-Gerät selbst, weil das nicht mehr das Jüngste ist, und weil ich wenn überhaupt seit Monaten vor allem über meinen DVD-Player fernsehe, sieht auch die kleine Schwarze schon reichlich abgenutzt aus. Irgendwie ziemlich neu, obwohl die zweitälteste in der Runde, kommt die Fernbedienung des DVB-T-Receivers daher.

Den gönnte ich mir vor fünf Jahren – in Gelsenkirchen war das DVB-T-Netz schon ziemlich gut erschlossen, und die Zeit, da man noch unbedingt MTV haben musste, war leider schon vorbei. Später verabschiedete sich das Gerät immer häufiger, ich vermute, es nahm mir die zunehmende Vernachlässigung übel. Laptop, DVD-Player, Kino, sogar aus dem Fenster gucken war mir bald lieber als das deutsche Fernsehprogramm – wer kann es mir verübeln?

Zugegeben: Ab und an rutscht der Finger noch immer auf die falsche Taste und ich schaue ein paar Minuten „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ oder ähnlichen Müll. Am Ende des Tages aber beläuft sich die Zeit, die ich im eigentlichen Sinne vor dem Fernseher verbracht habe, auf faktisch null Minuten. TV-Junkie, hat längst eine komplett andere Bedeutung als früher.

Früher hing ich mittwochs abends vor dem Fernsehen, im wahrsten Sinne: Ich hatte einen riesigen Apparat und ein großes Zimmer und doch klammerte ich mich nahezu direkt an das TV-Gerät, wenn meine All-Time-Lieblingsserie „Buffy“ lief. Niemand durfte stören, späteres Nachholen der Folge im Internet war schließlich noch nicht möglich, und wer meinen „Heiligen Mittwochabend“ (kein Witz, so habe ich ihn tatsächlich genannt), störte, der war die längste Zeit mit mir befreundet. Aber das habe ich sicherlich schon mal erzählt…

Wie dem auch sei. Die Jahre verstrichen, und mein Fernsehkonsum wurde humaner – dachte ich. Dann entdeckte ich das illegale Downloaden, später das Streaming und dann Serienjunkies.de, wobei meine Bekanntschaft mit den Kollegen aus Berlin mich leider eher zu einem noch größeren Junkie gemacht hat als dass es meine Sucht gelindert hätte. Und so hatte ich in den letzten Jahren allerlei zu schauen, irgendwas stand eigentlich immer an, Langeweile – aus Seriensicht – herrscht selten, nicht mal in der gefürchteten Sommerpause, dem US-„Hiatus“. Wenn die Saison werde ich wohl wieder einen festen Serienplan haben, doch mit dem Gefühl, die Erstausstrahlung einer Folge gebannt vor der Glotze zu verfolgen wie einst zu „Buffy“-Zeiten ist das nicht mehr vergleichbar. „You watched 72 minutes today. Please wait another 54 minutes to continue.“ statt Werbeblock.

Und dann kam „Doctor’s Diary“. Ich kann ungelogen sagen, dass dies wohl das einzige TV-„Event“ ist, das ich noch gewollt und vollkommen bewusst einschalte (sofern ich Dussel’s nicht vergesse wie letzte Woche). 20.15 Uhr hat wieder eine Bedeutung. Von der Serie, die ich persönlich für die beste deutsche Produktion der letzten Jahre halte, kann ja jeder halten, was er möchte. Als mein Bruder neulich mitbekam, wie ich vor Lachen fast vom Bett gefallen wäre, hatte er nur ein Kopfschütteln für mich übrig – ohne es je gesehen zu haben, wohl gemerkt.

Ich freue mich vor allem für meine Fernbedienung, ihr wisst schon: die vom Receiver mit den vielen bunten Knöpfen, auf denen man auch nach fünf Jahren noch immer fast alle Ziffern und Symbole erkennen kann. Vielleicht schaffe ich es bis Ende der Staffel wenigstens, dass die 3, bei mir auf RTL programmiert, zur Hälfte verschwindet. Drückt mir die Daumen.

Und jetzt… ah, gleich acht! Höchste Zeit, den Receiver anzuschalten, falls er sich ausgerechnet am heutigen Abend überlegt, wieder mal zwanzig Minuten zu brauchen, um zu funktionieren.