Kein Schwein ruft mich an. Aber: Sie simsen, mailen, twittern, facebooken, xingen, vzen oder wkwen mich an. Der Überblick ist dabei längst flöten gegangen. Schöne neue Webwelt.

Das waren noch Zeiten: Wollte man den alten Bekannten oder eine entfernt wohnende Verwandte kontaktieren, rief man entweder an oder man schrieb einen Brief. Da war nicht viel Raum für Verwirrungen. Dann kam das Handy, und eine Zeit lang hat mich nichts mehr genervt, als wenn Freunde mich auf dem Handy angerufen haben, obwohl ich doch zu Hause saß, quasi direkt neben meinem Festnetztelefon. Heute hat jeder dritte Haushalt von unter 25-Jährigen und jeder fünfte bei den 25- bis 34-Jährigen längst keinen Telefonanschluss mehr (Link zur Studie).

Dafür sind 125.000 Deutsche bei Twitter und über drei Millionen bei Facebook. Allein bei SchülerVZ werden 12.000 Nachrichten pro Minute abgesetzt. Die Zahl der Internetnutzer in Deutschland liegt der letzten Onlinestudie von ARD und ZDF zufolge bei mehr als 67 Prozent. Das Social Web entwickelt sich rasant.

Auch ich bin bei Facebook, StudiVZ, wer-kennt-wen, Xing, Friendfeed, natürlich Twitter, Last.fm, Blip.fm, LinkedIn, Flickr, Delicious und sicher noch einigen anderen, die ich kaum oder gar nicht pflege. Meine erste Community war übrigens vor fast zehn Jahren das heute gänzlich irrelevante Uboot, und lange Zeit war ich sehr aktiv bei tv.com, aber das sind Geschichten für eigene Postings.

Manch einer kontaktiert mich ausschließlich per E-Mail. Mit anderen schreibe ich bei Twitter, bis der Kommunikationsbedarf für 140 Zeichen zu groß ist und man auf ein Social Network oder zum Messenger wechselt. Manche schreiben mir bei StudiVZ, ohne zu wissen, dass ich meine Mitgliedschaft dort zugunsten von Facebook schon fast aufgegeben habe. Warum das mit dem Nachrichten-Schreiben bei Xing mal klappt und mal nicht, leuchtet mir bis heute nicht ein. Und neuerdings schreibe ich mir bei Last.fm mit einer 13-jährigen Polin, die wie ich Fan der Serie „One Tree Hill“ ist, aber kaum Englisch kann. Sehr amüsant.

Bei all den Wegen, mich zu kontaktieren, habe ich für jegliche Verwirrung absolutes Verständnis. Mir geht es ja selbst nicht anders. Will ich eine alte Freundin aus Gelsenkirchen-Zeiten kontaktieren, kann ich’s per E-Mail lange versuchen. „StudiVZ ist mein E-Mail“, hat sie mal gesagt. Eine meiner besten Freundinnen heiratet nächsten Monat, die Kommunikation mit ihrer Verwandtschaft findet selbstverständlich über Telefon und wer-kennt-wen.de statt, wo quasi jeder aus meiner alten Heimat angemeldet ist. Bei anderen jedoch ist’s nicht so eindeutig: An manchen Tagen erreiche ich meine eigene Mutter eher über Twitter als per Telefon. Mit einer sehr guten Freundin von mir kann ich tagsüber e-mailen, aber nach Feierabend ist Schluss. Manche lassen auf Antworten stets lange warten, egal in welchem der zahlreichen Social Networks ich ihnen schreibe. Und bei manchen erkenne ich schon am Facebook-Stream, dass ich dort die besten Chancen habe.

Und die Moral von der Geschicht‘? Fragt mich doch nicht.

Bin ich manchmal froh, dass das Telefon nicht ständig klingelt? Als ob es das V.W. (vor Web) so oft getan hätte… Auf jeden Fall frage ich mich, wohin das noch führen soll. Damit wären wir wieder beim Thema Zukunftsangst. Klar, ich liebe die Möglichkeiten, die mir das Internet und all meine tollen Gadgets bieten. Wenn die Entwicklung jedoch weiter so rasant voranschreitet, mit immer neuen Ideen aufwartet, die the next big thing und absolute Musts sind, finde ich das Web dann immer noch so toll? I hope so.

Sobald ich’s weiß, lasse ich es euch wissen. Hier. Oder per Twitter. Oder Facebook. Oder Xing. Oder …