Ich denke, Medienjournalistin Ulrike Langer kann man schon als Expertin für Jeff Jarvis bezeichnen. Deswegen empfehle ich dringend ihr Interview mit besagtem Herrn zu lesen, das sie neulich auf der Next-Konferenz geführt hat. Nicht nur, dass es ein insgesamt sehr schönes Gespräch ist, sondern Jarvis hat wie immer sehr viele interessante Dinge zu sagen, unter anderem über die Herausforderungen, die auf die Verlage warten:

Google organisiert unsere gesamten Informationen, aber wer organisiert unsere Beziehungen? […] [D]er [Wettbewerb] ist noch nicht entschieden. Und dann gibt es ja noch das „deep web“ mit den Informationen in Datenbanken, die über Suchmaschinen nicht gefunden werden können. Wie können wir das sinnvoll organisieren? Es gibt also jede Menge Herausforderungen für die Zukunft. Die sollten wir ins Auge fassen, statt immer nur zurück zu schauen.

Wie üblich schürt Jeff Jarvis, bei aller Liebe zum Wandel, in mir neben geschätzten 70 Prozent Mut auch weiter die Furcht, dass mein gewählter Berufszweig bald nicht mehr das ist, was ich mir ausgesucht und was ich immer machen wollte:

Die Rolle von Journalisten wird sich wandeln. Journalisten werden vor allem Kuratoren, Aggregatoren und Journalismus-Lehrer sein. […] Wo vorher 300 Journalisten beschäftigt waren, geht es rein online-basiert auch mit 35. Aber diese 35 arbeiten mit einem Netzwerk von 3000 Bloggern und Bürgerjournalisten. Wir werden solche Netzwerke entstehen sehen.

Beruhigend finde ich dann allerdings wieder die Antwort auf die Frage, ob jeder Journalist nun Alleskönner sein muss. Denn gerade zum Ende meines Studiums hin kommt eben diese Frage immer öfter auf. Obwohl ich eine crossmediale Ausbildung bei Top-Journalisten aus allen Bereichen genossen habe, möchte ich nämlich vorrangig schreiben und kann mir nur bedingt vorstellen, als Freie auch für alles gleich noch Audio und Video mitzuliefern. Dazu sagt Jarvis:

Jeder sollte die Hilfsmittel soweit beherrschen, dass er zu jeder Zeit eine Geschichte auf die gerade geeignetste Art erzählen kann. Wenn Journalisten Zeuge einer interessanten oder lustigen Szene werden von, sagen wir, Jarvis fällt von der Bühne, dann sollten sie die Szene filmen und live-bloggen können. Das ist dann keine richtige Videoreportage, aber ein zehnsekündiger Bewegtbild-Moment.

Hier gibt’s das ganze Interview