Im Kontrast dazu bedient Mileys Alter Ego Hannah mit ihren Shopping-Touren einen (noch) spielerischen Narzissmus. Der Film zitiert im Grunde unhinterfragt die gerade in den Köpfen pubertierender Mädchen verbreiteten Rollenmodelle, die dazu auffordern, Energie und Begehren auf eine sexy Aufmachung zu konzentrieren, die ganz den Vorgaben der „Consumer-Industrie“ gehorcht.

Noch nie habe ich erlebt, dass sich jemand so ernsthaft und tiefgründig mit dem „Hannah Montana“-Film auseinandersetzt wie diese Besprechung auf der Seite kinofenster.de. Dazu muss man wissen, dass ich den Film freiwillig gesehen habe und wenig mehr als ein müdes Lächeln dafür übrig hatte. Selbst für einen bekennenden Fan kitschiger Teeniefilme war „Hannah Montana“ einfach too much. Nun, da ich gelesen habe, dass die Zielgruppe etwa 9 bis 14 Jahre alt ist, ergibt das gleich viel mehr Sinn.

Nun gibt es Analysen des Disney-Konstrukts Hannah Montana und des begehrtesten/beliebtesten/reichsten/tollsten/etc. Teenagers der Welt, Miley Cyrus, sicherlich zuhauf. Doch kinofenster.de ist nicht irgendeine Website, auf der Filme besprochen werden, sondern eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Vision Kino gGmbH. Früher muss es das in gedruckter Form gegeben haben, und so ganz hat man sich davon scheinbar noch nicht getrennt: Kinofenster denkt immer noch in „Ausgaben“.

Die Seite rühmt sich jedenfalls damit, auch pädagogisches Material mitzuliefern, und so dreht sich die Juni-Ausgabe in der Tat um die Möglichkeiten, „Hannah Montana“ im Unterricht zu besprechen, vorzugsweise für die Fächer „Deutsch, Englisch, Kunst, Musik, Ethik, Philosophie“, so steht’s auf der Website. Konkrete Aufgaben werden gleich mitgeliefert, zum Beispiel:

Erstelle ein Schaubild zu dem sogenannten „Disney Universum“: Notiere, welche Stars (beispielsweise Miley Cyrus, Ashley M. Tisdale), Fernsehsendungen und Kinofilme aktuell dazugehören. Benenne Produkte, die rund um diese Stars und Sendungen auf dem Musik-, Konzert-, Kino-, Games- und DVD-Markt vertrieben werden. Überlege, was damit beabsichtigt wird.

Wir haben zu Schulzeiten Kafkas „Die Verwandlung“ lesen müssen, haben im Musikunterricht Referate über Jazz und Blues gehalten und wenn wir mal einen Film geschaut haben, war so was wie „Romeo & Julia“ mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes auch schon das Highlight. Nicht, dass ich mir vorstellen kann, über die Musik von Miley Cyrus eine Powerpoint-Präsentation vor der ganzen Klasse zu halten, aber der Ansatz – die Schüler in der kitschigen, oberflächlichen, eindimensionalen Disney-Welt abholen, in der sich viele befinden – gefällt mir. Ob diese Vorschläge überhaupt ein Lehrer umsetzt, ist natürlich eine andere Frage. Wenn ihr einen kennt, sagt mir Bescheid, ich würde ihn gerne mal zum Thema interviewen!

In der Rezension des Films auf kinofenster.de kommt der Autor übrigens am Schluss doch noch zu einem eher kritischen Fazit:

Authentische, emanzipatorische Angebote, den eigenen Weg zu finden, macht der Film allerdings nicht.

Ach nee.