Auf der Suche nach einem Kontakt für meine aktuelle Recherche war ich in einer Sackgasse. Bei keiner der Nummern, die ich auf offiziellen Seiten fand, war jemand zu erreichen, E-Mails kamen mit dem furchtbaren „MAILER-DAEMON“-Hinweis zurück. (Mal ehrlich, wer hat sich das mit dem „DAEMON“ eigentlich ausgedacht?) Weil Aufgeben jedoch keine Option war, googlete ich weiter und fand einen Hinweis zu dem Museum, das ich kontaktieren wollte, auf einer dieser City-Guide-Seiten. Dort stand auch eine Nummer – nicht die, die ich schon anderswo gefunden hatte -, also rief ich an.

Der schwerhörige Herr am anderen Ende der Leitung war jedoch weder vom Museum noch schien er zu wissen, was das Internet ist. Erst bat er mich also, lauter zu sprechen, rief beim Klang meines Namens ein „Hä? Kenn ich nicht.“ in den Hörer. Als ich dann fragte, ob ich da jetzt richtig bei Museum X sei, sagte er gar nichts mehr. Zu diesem Zeitpunkt hätte mir eigentlich klar sein müssen, dass ich falsch verbunden war, doch aus Mangel an anderen Kontaktmöglichkeiten wollte ich zumindest ganz sicher sein: „Ich habe Ihre Nummer im Internet gefunden, in Zusammenhang mit dem Museum X. Bin ich also bei Ihnen nicht richtig?“, fragte ich also. Der Herr schien sich belästigt zu fühlen und entgegnete nur noch mit gequälter Stimme: „Ich habe erst vor Kurzem meine Frau verloren, da will ich jetzt nichts mit zu tun haben.“

Noch ein gemurmeltes „Mein Beileid“ meinerseits, dann legte er auf, und ich fühlte mich auf einmal wie ein Bild-Reporter, der fünf Minuten nach der Beerdigung den Witwer zum Interview bittet. Mir wird das eine Lehre sein, nie wieder den Nummern auf irgendwelchen Seiten zu glauben. Sicher war die Tragik, wie ich es mal nennen möchte, nicht vorprogrammiert. Genauso gut hätte am anderen Ende wohl ein junger Student sein können, dessen Nummer auf welche Weise auch immer genau auf diese Seite gelangt ist. Doch es war ein armer alter trauernder Mann, an den ich jetzt den ganzen Tag denken werde :(

Blödes Internet.