Ich gestehe: Gerade habe ich „X-Men Origins: Wolverine“ gesehen – mit Vergnügen, aber illegal. (Sie wissen schon: über den Freund von einem Freund eines Freundes.) Wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, ist eine noch nicht ganz fertige Version des Marvel-Spektakels vor kurzem im Internet aufgetaucht, und jetzt fahndet das FBI nach dem Übeltäter.

Aber ich will jetzt hier weder den Film rezensieren noch das Für und Wider des illegalen Herunterladens oder Streamens predigen. Beim Schauen habe ich vielmehr gedacht, was für ein exzellentes Lehrstück über das Filmemachen die durchgesickerte, 95-Prozent-Fassung von „Wolverine“ doch ist. Eine Geschichte über die „Origins“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Schon recht früh im Film fielen mir das erste Mal die Drahtseile auf, an denen Hugh Jackman hing. Dann wurde eingeblendet, dass Liev Schreibers Fingernägel noch per Effekt verlängert werden müssen, dann mal ein Hinweis auf notwendige Tonänderungen. Richtig krass – und so erklärt sich dann wohl auch die Zahl 95 (Prozent) – wurde es gen Ende: Aufnahmen einer Landschaft, Kampfszenen in schwindelnder Höhe, Einschusslöcher, Spezialeffekte – alles nur halbfertig.

Einen echten Fan der „X-Men“-Filme hätte das wahrscheinlich sehr gestört, ich fand es irgendwie ganz spannend. Wie ein Blockbuster entsteht, kennt man ja sonst nur aus irgendwelchen Reportagen oder „taff“-Beiträgen, an diesem Beispiel kann man es quasi live sehen und hat dazu auch direkt den Vergleich zu schon fertigen Szenen, etwa bei Dialogen, wo die eine Perspektive bereits durch die Computeranimation geschickt wurde, die andere aber noch Skizzen im Hintergrund hat.

Ich muss allerdings sagen: Dem Lerneffekt zum Trotz hätte ich den Film lieber in seiner fertiggestellten Fassung gesehen. Es nimmt einem ein wenig die Illusionen. Insbesondere die noch komplett rohen Szenen waren natürlich nicht so schön anzusehen. Vielleicht hätte ich mir „X-Men Origins: Wolverine“ sogar auf der großen Leinwand angeschaut. Obwohl… dafür war mir das ehrlich gesagt viel zu wenig Taylor Kitsch ;-)

Na, hoffentlich werde ich jetzt nicht auch entlassen wie ein Kolumnist von Fox News, nachdem er munter eine offizielle Rezension über den Film geschrieben und dann noch von den Vorteilen des illegalen Downloads geschwärmt hatte.