Die Aktion „Ein Herz für Blogs“ hat eine so unglaublich lange Liste interessanter Blogs hervorgebracht, dass ich Tage später noch immer auf Neues stoße. So auch unter anderem auf „I am Jeriko“, wo ich eine schöne Foto-Idee gefunden habe. Der Berliner Blogger hat eine Einmalkamera auf einer Parkbank hinterlassen, dazu den Hinweis:

Hallo,
ich habe die Kamera hier ausgelegt, damit du Fotos machen kannst. Ernsthaft. Also viel Spaß dabei! Ich hol‘ die Kamera heute abend wieder ab.
Liebe Grüße, Christoph

Die Kamera war tatsächlich am Ende des Tages noch da. Dass die dabei entstandenen Bilder – von Joggern, Fahrradfahrern und Inlineskatenden Kindern – nicht sehr spannend, sondern im Gegenteil sehr beliebig und alltäglich geworden sind, ist dabei gerade der Reiz an der Aktion: Unverfälschte Momentaufnahmen von Menschen zu bekommen, seien sie auch noch so banal. Stibitzt hat sich der Blogger die Idee bei seinem amerikanischen Kollegen von „The Plug“, der bereits zwei Mal in den letzten Jahren Kameras ausgelegt hat, einmal in Atlanta und ein anderes Mal in Tokyo.

Selbst die amerikanische Glamour ließ sich im Februar zu einer ähnlichen Aktion inspirieren. Von der Redaktion wurden gleich zwei Kameras ausgelegt, eine in Manhattan und die andere in Brooklyn. Wieder kamen vor allem herrlich simple Schnappschüsse von Passanten dabei heraus. Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum diese Menschen sich bereitwillig fotografieren – ohne zu wissen, wofür genau die Bilder verwendet werden, ohne sich Gedanken über die Rechte zu machen. Aber dann wiederum sollte mich das angesichts der Freizügigkeit in Social Networks nicht überraschen. Auch könnten wir jetzt über die Frage der Bildrechte in diesen Fällen diskutieren: Wenn auf dem beigelegten Zettel nicht ausdrücklich stand, dass die Fotografierten im Moment des Auslösens der Veröffentlichung zustimmen, darf man die Fotos dann überhaupt online zeigen? Zumindest von den Bloggern weiß ich, dass sie eine URL hinterlassen haben – für den Fall, dass jemand der Abgebildeten sein Foto entfernen lassen will.

Nehmen wir es einfach als das, was es ist: eine spontante Aktion, die Spaß macht – sowohl den späteren Betrachtern als auch sicherlich denjenigen, die die Kamera gefunden haben. Wie dem auch sei: Ich fühle mich beinahe verpflichtet, das gleiche für Hamburg auszuprobieren. Wenn ihr also demnächst eine Einmalkamera auf einer Bank in Eimsbüttel findet, nur so viel: Keine Fahrräder fotografieren, bitte. Und keine Katzen. Viel Spaß schon mal.