Schon Anfang letzter Woche hatte ich einen Blogeintrag geschrieben, in dem ich die Vorteile von Twitter als Suchmaschine anpreisen wollte. Dann passierte Winnenden und die traditionellen Medien blamierten sich in ihrem Umgang mit dem Mikrobloggingdienst. Daraufhin ließ ich also meinen Text erst einmal ruhen, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Urteil über den Sinn und Unsinn von Twitter zu machen – und auch, um selbst noch einmal darüber nachzudenken.

Das habe ich zur Genüge getan. Ich habe auch nach dem vermeintlichen ersten deutschen „Twitter-Fall“ weiterhin Twitter für die Themensuche genutzt, mich über meine Kontakte auf dem Laufenden gehalten und bin genauso vorsichtig mit den Aussagen des Pöbels umgegangen wie vorher. Deswegen habe ich mich entschieden, den angedachten Blogeintrag in seiner mehr oder weniger ursprünglichen Version zu posten. Ich bitte Sie jedoch, dabei im Hinterkopf zu behalten, dass das Twitterverse die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat und sich für Journalisten ein Quellencheck nicht nur lohnt, sondern unvermeidlich ist. Sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber ich wollte es dann doch noch mal sagen. Here we go:

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Bild: manfrys (CC-Lizenz)

Google kann von Twitter einiges lernen! Das Gerücht, der Webriese strecke seine Finger nach dem Start-up aus, ist vorerst widerlegt worden. Doch bei dem Such(t)potential, das in dem Microbloggingdienst Twitter schlummert, hätte es durchaus wahr sein können. Es sei Zeit, in Twitter eine Suchmaschine zu sehen, schrieb Michael Arrington kürzlich auf techcrunch.com. Ich erzähle Ihnen, warum das tatsächlich so ist, und gebe gute Gründe, Twitter für die Suche zu nutzen.

Die Chronologie des Gezwitschers
Geht es Ihnen nicht auch bei der Google-Suche manchmal auf die Nerven, dass Sie Ergebnisse nur eingeschränkt nach Datum sortieren können? Mit Ausnahme der Google-News natürlich, aber für mich als Journalistin sind nun mal in vielen Fällen die Medienseiten nicht die mit den vielversprechendsten Informationen. Bis ich aber in der Google-Suche auf aktuelle Einträge in Foren oder ähnliches stoße, muss ich schon Durchklickvermögen beweisen. Bei Twitter hingegen – ob nun auf der Twitter-eigenen Suchmaske Twitter Search oder bei einer Microblogsuchmaschine wie Twingly wird mir immer genau das Gezwitscher zuerst angezeigt, das auch am aktuellsten ist. So lassen sich zwar keine besonders weit zurückreichenden Recherchen durchführen, durchaus aber aktuelles Getwitter zu dem für mich relevanten Thema.

Einer der schnellstmöglichen Informationskanäle
Ob man nun die Vorstellung eines Bürgerjournalismus mag oder nicht: Informationen werden per Twitter unglaublich schnell verbreitet, weil – wenn auch noch nicht in Deutschland – der Dienst schon so weit verbreitet ist. Das haben wir in Mumbai gesehen oder bei der Notlandung auf dem Hudson River (- aber nicht im Fall Winnenden).

Natürlich kann ich verstehen, was Harald Martenstein an Twitter kritisert:

Ich soll in Zukunft Nachrichten über Flugzeugunglücke bereits eine Minute nach dem Absturz erhalten statt, wie bisher, erst nach einigen Minuten. Einen Vorteil kann ich darin nicht erblicken. Ich kann auf Katastrophen gut warten.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass Twitter sich für die journalistische Suche eignet. Wer Google nutzt (und wer tut das nicht?), der kann sich – ob vorher oder nachher, ist Geschmackssache – einen ersten Überblick bei Twitter holen. Wer einigermaßen aktiv und gut vernetzt ist, kann übrigens bei Twitter auch ohne selbst initiierte Suche interessante Themen finden.

Aggregation
Die meisten Suchergebnisse bei Google sehen nicht sehr einladend aus, aber wenn man genauer wissen will, worum es auf der Seite geht, ist Anklicken die einzig valide Möglichkeit. Bei Twitter ist auch das anders: Die Natur des Microbloggings bringt es mit sich, dass die Nachrichten auf 140 Zeichen gepresst sind. Sie würden sich wundern, wie viel Mühe man sich manchmal beim Erstellen eines Tweets macht. Vielleicht kennen Sie das sogar aus eigener Erfahrung. Und das heißt für die Suche wiederum: Auf den 140 Zeichen, die wir bei der Twitter-Suche direkt zu sehen bekommen, ist alles drin, was wir wissen müssen, um zu entscheiden, dass uns der Twitterer, sein Tweet oder eine verlinkte Seite interessieren – oder eben nicht. Diese Aggregation der Informationen ist meiner Meinung nach der größte Vorteil von Twitter als Suchmaschine.

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Eingrenzung dank spezieller Dienste
Darüber hinaus kann man die Twittersuche mithilfe verschiedener Applikationen wunderbar eingrenzen, meiner Meinung nach besser als es mit den von mir ebenfalls sehr geschätzten Google-Operatoren möglich ist. Mehr Informationen über besagte Suchhelferlein habe ich neulich für medienlese.com aufgeschrieben.

In den letzten Wochen habe ich außerdem das Firefox-Add-on Power Twitter zu schätzen gelernt, dass mit jedem Update tolle neue Funktionen zu bekommen scheint. Sofern Sie also keinen Client wie Twhirl zum Twittern nutzen, laden Sie sich Power Twitter in Ihren Browser und optimieren Sie so noch einmal Ihre Suchmöglichkeiten.

Zusammenfassend gesagt:

Der besondere Wert von Twitter als Suchmaschine liegt darin, dass sich mit der Suchtechnik schnell die Flut der Tweets durchforsten lässt und dass man so einen Überblick über das erhält, was in der Welt so gerade vorgeht. Das kann derzeit auch Google nicht.

Um zu wissen, was genau jetzt in der Welt so vor sich geht – oder zumindest im Twitterverse – eignet sich vor allem hashtags.org. Noch ein schönes Twittertool, das im weitesten Sinne was mit Suche zu tun hat, ist Twitterfall – Vorsicht: Macht abhängig!

Anmerkung: Ich würde diese Liste der Vorteile – und gerne auch Nachteile – von Twitter als Suchmaschine mit Ihrer Hilfe gerne erweitern, also sagen Sie mir in den Kommentaren Ihre Meinung.