Was tun, wenn die Teenie-Kinder mal wieder durchdrehen? Und jetzt kommen Sie mir nicht mit diesen laschen „Super-Nanny“-Methoden wie Stille Treppe oder gemeinsame Familiengespräche. Es geht viel effektiver: Zur Auswahl stehen ein betreuter Ausflug in die Wüste, die Leitung eines Hotels oder vielleicht gleich ganz neue Eltern für den Sprössling. Das bietet zurzeit nämlich das deutsche Privatfernsehen. Einzige Voraussetzung für den Freifahrtschein in den TV-Teeniehort: Das Kind muss schwer erziehbar sein – oder auch einfach nur in der Pubertät. Das macht sicherlich das Casting leichter, denn pubertierende Teenager sterben nie aus.

RTL hat sich als perfekten Erziehungsort das amerikanische Utah ausgesucht. In „Teenager außer Kontrolle – Letzter Ausweg Wilder Westen“ schickt man Jugendliche in der Wüste. Dort heißt es erst einmal: Überleben ohne Alkohol, Fluchen und Drogen. Ein ausgesprochen schweres Los für die aufsässigen Kinder. Hinzu kommen dramatische Erfahrungen wie der Anblick eines toten Pferdes. Dafür darf dann auch mit wilden Wölfen geknuddelt werden. Ach, wie süß!

Bei „taff“ auf ProSieben hingegen geht es nicht ganz so weit weg. Dort werden immer wieder Jugendliche, die sich sicher nicht vertragen, aber zumindest ein paar schlechte Eigenschaften gemeinsam haben, in einem Haus an irgendeinem unbekannten Ort zusammengeworfen. Bis vor Kurzem war das noch „Der Club der bösen Mädchen“. Die neue ProSieben-Erziehungsmaßnahme heißt „Teenies an die Macht“: Sechs Jugendliche leiten zwölf Tage lange ein Hotel. Und die künftigen Hotelmanager bringen alle Voraussetzungen mit: So wird als eines der Hobbies der 17-Jährigen Dilan unter anderem Schulschwänzen genannt. Danny sieht aus wie eine Mischung aus Tokio Hotel und „DSDS“-Kandidat Benny Kieckhäben. Eigentlich will er Stylist werden. Jenny mit den langen, pinken Haaren sagt offen, sie hasse Ostdeutschland, gleichzeitig wird eingeblendet: „Mag keine Vorurteile.“ Dazu kommen Gangster Achmed und Möchtegern-Model Valora. Na dann: Schönen Urlaub!

Und wenn sich die eigenen Eltern nicht für eine drastische Erziehung entscheiden können, oder im Hotel bei „taff“ kein Platz mehr ist, dann gibt es ja noch die Kollegen von kabel eins. Die finden einfach neue Eltern irgendwo auf der Welt. Montana in den USA oder gleich Südafrika. Und die neuen Erzieher sind laut Sendungsname „Die strengsten Eltern der Welt“. Hier wird das Kind auch im wahrsten Sinne des Wortes endlich mal beim Namen genannt: „Bisher waren sie das Problem… jetzt haben sie eins!“ Bei den Problemen handelt es sich unter anderem um verzogene Gören, die außer Jungs und Schulschwänzen nichts im Kopf haben. Vielleicht gibt es auch bald leicht erziehbare Pubertierende für die alleingelassenen Eltern. Man muss ja wissen, was man am eigenen Kind nicht hat.

Es gibt also genügend Methoden, die Kinder ganz abseits der Privatsphäre zu erziehen. Da kann man sich zurücklehnen und ganz entspannt zusehen, wie andere sich mit dem Ego des schlimmen Teenies rumschlagen. Dazu eine Schüssel Chips und ein kühles Bier. Kindererziehung – besser als jeder Film!

Autorin: