In den Anzeigenblättern der Hauptstadt ist zurzeit folgendes Angebot zu lesen:

Biete äußerst seriösen, altdeutschen Vornamen. Gebraucht, aber trotzdem top Zustand. Preis auf Verhandlungsbasis. Chiffre 45673.

Das Produkt, um das es sich hier handelt, ist der Vorname Walter. Angeboten von SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Oder Frank Steinmeier, wie er jetzt genannt werden möchte. Lebenspraktischer und volksnah soll der Name des Politikers klingen. Vielleicht ist es auch ein Versuch der SPD an ihre Wurzeln als Arbeiterpartei zu erinnern. Oder der bekennende Obama-Fan Steinmeier möchte dem neuen amerikanischen Staatsoberhaupt in dessen Jugendlichkeit nacheifern. Wenn er schon nicht zu einer Minderheit gehört, so kann er sein Profil durch das Weglassen des eingestaubten Walters doch wenigstens verjüngen.

Vielleicht hat aber auch Parteichef Franz Müntefering seine Finger im Spiel. Rein aus ästhetischen Gründen natürlich. Franz und Frank. Das sieht besser und einheitlicher aus. Und Einheit, das kann die SPD bekanntlich gut brauchen.

Aber was wird aus dem armen Walter, der jetzt einsam und zurückgestoßen durch die Berliner Politikwelt irrt? Ein Waise. Dabei wäre er so gern wieder mit einem Namen vereint. Wie wäre es mit Karl-Walter? Oder Theodor-Walter? Oder gar Karl-Theodor-Walter? Klingt irgendwie bekannt? Kein Wunder, denn Frank(-Walter) Steinmeier ist nicht der einzige Politiker, der momentan wegen seines Namens in den Medien präsent ist. Der neue Wirtschaftsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg scheint eine ganz besondere Sammelleidenschaft zu haben: Vornamen. Und nachdem ihm sein überraschend erworbener 11. Name Wilhelm jetzt doch wieder schmerzhaft entrissen wurde, hat der CSU-Politiker Platz für einen zusätzlichen: Walter.

Autorin: Jenny Bauer