Ich habe es getan: Heute war ich zum ersten Mal in meinem Leben alleine Kino. In „Twilight“. Der Film war großartig und das Erlebnis, ohne Begleitung ins Kino gegangen zu sein, ebenso. Ein Erfahrungsbericht.

Alleine ins Kino gehen habe ich immer mit traurigen Singlefrauen verbunden, die das alte-Dame-mit-lauter-Katzen-Stadium noch nicht ganz erreicht haben, sondern sich noch ins Kino trauen, dabei aber stets über ihre Schulter gucken und ein bisschen verzweifelt wirken. Zugegeben: Diese Vorstellung ist ziemlich absurd, aber ja auch von ziemlich vielen absurden amerikanischen Filmen geprägt. Für heute stand bei mir also der erste Kinobesuch ganz alleine an. Denn ich wollte den Film unbedingt auf Englisch sehen und das möglichst, bevor er in Hamburg nicht mehr läuft. Vielleicht hätte ich jemanden gefunden, der mit mir geht, aber der- oder diejenige hätte wohl schwerlich meine Faszination für „Twilight“ und den Teenie-Schwarm Robert Pattinson nachvollziehen können. :-)

Und siehe da: Es war großartig. Ich musste mit niemandem mein Popcorn teilen (wobei das obligatorische süße Popcorn leider aus war und ich den faden Knabberei-Ersatz nur zu gerne geteilt hätte), während des Filmes hat mich keiner angefasst oder zugetextet. Außerdem konnte ich vor und nach dem Film nach Herzenslust die Teenies um mich herum belauschen – ein heiden Spaß. Das einzige, was mir gefehlt hat, war, nach dem Film über selbigen zu tratschen. Wer war wie gut, was war besonders toll, was nicht so gut, und will man den Film gleich noch mal sehen? Wie versprochen werde ich Ihnen meine Meinung zur Teenie-Vampir-Romanze „Twilight“ nicht vorenthalten.

Wochenlang hat mir meine beste Freundin damit in den Ohren gelegen, bevor ich endlich den ersten Band der Romanreihe von Stephenie Meyer gekauft und an einem Tag verschlungen habe. Genauso schnell mussten Band zwei, drei und vier dran glauben. Ich war süchtig, schaute mir den Trailer mehrmals am Tag an, wollte – nein: konnte nicht bis zur Veröffentlichung des Films in Deutschland warten, suchte wochenlang täglich das Internet nach einem guten Stream von „Twilight“ ab. Heute bin ich froh, dass ich gewartet und Edward und Bella in Übergroße genossen habe.

Zugegeben: Dass man die Kontaktlinsen der Darsteller ständig gesehen hat, war nervig. Aber vielleicht ist mir das auch nur aufgefallen, weil besagte Freundin mich schon darauf hingewiesen hat. Ansonsten gilt natürlich für „Twilight“, was für viele Romanverfilmungen gilt: An das Original kann ein Film nur schwer herankommen. Kristen Stewart ist nicht die Bella, die man sich vorgestellt hatte, und auch wenn Robert Patterson im Trailer noch wie die perfekte Besetzung für den unsterblichen Edward wirkte, er war es nicht. Hinzu kommt, dass die Geschichte enorm verkürzt wurde. Da fragt man sich doch, wieso aus der Kurzgeschichte „The Curious Case of Benjamin Button“ ein Film in Überlänge werden darf, von den 511 „Twilight“-Seiten jedoch so viel gestrichen wird…

„Twilight“ ist kein anspruchsvoller Film, ich suche auch nicht den tieferen Sinn (zurück zur amerikanischen Unschuld, blabla, wie es manche Kritiker machten). Sicher hat es schon bessere Spezialeffekte gegeben, und die Schauspieler haben sich mit ihrer Leistung nicht gerade einen Oscar verdient (außer vielleicht Ashley Greene als „Alice“, sie war einfach zu niedlich). Aber alles in allem war „Twilight“ bestes Popcorn-Kino (wenn auch in meinem Fall leider ohne Popcorn) und hat mich knapp zwei Stunden gefesselt und bestens unterhalten. Zum Glück saß ich auf einem Kinosessel ganz außen und relativ weit ab von anderen Besuchern. So konnte ich der Gefühlsachterbahn freien Lauf lassen: hysterisches in-mich-hinein-kichern, lautes Lachen mit den anderen Kinogängern, kindliche Aufregung bei Bellas und Edwards erstem Kuss, erleichtertes Aufatmen, als alles (vorerst) gut endet, und ein gerührter „Aaaaah“-Seufzer bei jeder kleinen Liebeserklärung. Für zwei Stunden durfte ich mich wie ein Teenie fühlen, und es war toll.

Fazit: Nächstes Wochenende gleich wieder!