Es sieht nicht gut katastrophal aus für die Sozialdemokraten in Hessen: Der Partei droht bei der erneuten Landtagswahl am kommenden Sonntag ein Absturz um 12,7 Punkte auf 24 Prozent – und das, obwohl sich Thorsten Schäfer-Gümbel, der Spitzenkandidat der SPD, mit seinem Twitter-Experiment derzeit allerlei Freunde unter Internet-Vielnutzern macht.

Gestern habe ich bei spreeblick.com einen interessanten Kommentar gelesen, der auch in dieser Situation passt: „Irgendwie vergessen alle, dass es bei uns die Massenzielgruppen für den ganzen 2.0-Tamtam wegen der altersmäßigen Entwicklung der Bevölkerung anders als in den USA nicht gibt und auch nicht geben wird. Und zu glauben, dass in Deutschland Meinungsbildung in erheblichem Umfang über das Netz erfolgen kann ist entweder ein Zeichen von Realitätsverlust oder nackter Verzweiflung.“ Entsprechend finden einige das Gezwitscher von „TSG“ überflüssig und unbeholfen.

Ich persönlich kann mich nicht entscheiden, ob ich Schäfer-Gümbels Twitter-Aktivitäten für einen unbeholfenen Versuch, zu retten, was nicht zu retten ist, halten soll – oder für ein mutiges Experiment eines Mannes, der quasi aus dem Nichts kam und nach Nichts aussah, und es dennoch schaffte, mit einer innovativen Vorgehensweise in kürzester Zeit zu einem Namen zu werden. (Wenn auch nicht so ein großer Name, dass dieser Vergleich gerechtfertigt wäre.) Doch allein dafür, dass er ein Twitter-Interview mit Blogger Robert Basic führt, während er durch McDrive fährt, würde ich ihn am Sonntag wählen. Nur wohne ich Gott sei Dank leider nicht in Hessen.

Heute Morgen habe ich übrigens bei 1Live mal wieder die Comedy „Lukas‘ Tagebuch“ gehört. Die scheint jetzt, da Poldi bald zurück in Köln ist, wieder im Kommen zu sein. Jedenfalls hat selbst der „Lukas“ sich heute mit dem TSG sein Gezwitscher beschäftigt:

„Lieber Tagesbuch, hier spricht Lukas, nä. Im Internet steht, Thorsten Schäfer-Gümbel ist ein Twitter, nä. Der Arme. Als wäre SPD nicht schon schlimm genug, nä. […] Ich muss jetzt los. Ich will noch bei Wikipedia nachschauen, ob das TSG in TSG 1899 Hoffenheim Thorsten Schäfer-Gümbel heißt. Dann können die sich nämlich die Meisterschaft jetzt schon abschminken.“