Mein aktueller Musikgeschmack ist durchaus vorzeigbar, würde ich sagen. Doch das war bei weitem nicht immer so, obwohl Musikgeschmack bekanntermaßen subjektiv ist. Doch aller Toleranz zum Trotz ist es nun mal so: Wer schon als Teenager Nirvana gehört hat und „Jein“ mitsingen konnte, der kann sich glücklich schätzen. Wer hingegen in seiner Kindheit alle möglichen musikalischen Sünden mitgemacht hat, hat es schwerer im Leben. Vielleicht können wir den folgenden Blogeintrag als eine Art Versöhnung mit meiner musikalischen Evolution betrachten. Wenn ich offen dazu stehe, muss ich mich nicht schämen, wenn ich mal wieder bei „Herz an Herz“ mitsinge. Here we go:

G.G. Anderson
Die Textzeile „Mädchen, Mädchen, haben Träume…“ ist so ziemlich das einzige, woran ich mich von G.G. Anderson noch erinnere. Damals, ich dürfte so vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, waren der von mir umschwärmte Schlagerheini sowie Juliane Werding und Matthias Reim meine Helden. Lustigerweise kann ich mich an kein Lied von Juliane Werding aus der Zeit erinnern, und meine einzigen Assoziationen mit Matthias Reim, die wir vermutlich sogar gemeinsam haben, stammen von irgendwelchen Teenie-Feten auf dem Dorf. Doch „Mädchen, Mädchen“ ist mir irgendwie immer geblieben.


[Direktlackaffe]

David Hasselhoff
Heutzutage ist David „The Hoff“ Hasselhoff fast wieder cool. Als ich seine CDs gehört und sein Poster angeschmachtet habe, war er das aber glaube ich auch schon mal. Neben Hasselhoffs Konterfei, das als Bravo-Poster in einem roten Bilderrahmen an meiner Wand hing, fand ich damals – was auch sonst – „Looking for Freedom“ besonders toll. Nur dass sich das Lied aus meinem Mund ungefähr so anhörte: „Hocken Nocken for Frieden“. Hier kommt das Original:


[Direkthoff]

Lucilectric
„Mädchen“ von Lucilectric hat wohl jedes Mädchen Anfang der Neunziger geträllert, also auch ich. Der Song dürfte sogar eine meiner ersten Maxi-CDs gewesen sein. Bis heute kann ich den Text von vorn bis zum Ende mitsingen: „Was’n das für’n wundervoller Hintern…“ Ich war acht Jahre alt!!! Schande…


[Direkteintagsfliege]

Caught In The Act
Nie nie nie habe ich als Kind die Kelly Family gehört, und eigentlich stand Caught In The Act genauso auf meiner No-Go-Liste. Doch „Love is everywhere“ war da irgendwie eine Ausnahme und ich weiß bis heute nicht genau wieso.


[Direktcita]

Take That
Über Boybands konnte man sich schon immer wunderbar aufregen, Caught In The Act (siehe oben) zum Beispiel. Auch über Take That, obwohl die etwas hatten, das sie von den anderen unterschied (und ich meine nicht Robbie Williams): Sie haben in ihrer Karriere neben viel Boyband-Einheitsbrei („Babe“) einige der besten Songs aller Zeiten („Back for good“, „Never forget“) gemacht. Leider war ich noch zu jung, um sie damals live zu sehen – immerhin war ich gerade acht Jahre alt, als ich das Album „Everything Changes“ rauf und runter gehört habe. Neulich habe ich die CD mal wieder in der Hand gehabt und festgestellt, wie ramponiert die Hülle ist. „Relight my fire“ gemeinsam mit Lulu jedenfalls hätte ich zu gerne mal live gesehen:


[Direkthupfdohlen]

The Cranberries
Sieh einer an: Auch als junger Hüpfer, etwa neun Jahre alt, hatte ich etwas Geschmack – obwohl ich die großartigen Cranberries wohl eher auf Initiative meiner Mama gehört habe. Sie war es auch, die mir seinerzeit die Texte von Cranberries-Songs aufschrieb, damit mein Bruder und ich sie für unsere Kinderzimmer-Band „interpretieren“ konnten. Heißt im Klartext: Er hat auf seiner Tennisschläger-Gitarre „Ode to my family“ gespielt und ich mit einer unglaublichen kindlichen Dramatik die Lippen vor meinem selbst gebastelten Mikrofon bewegt. Ganz großes Kino – dass es hier jetzt nicht zu sehen gibt. Stattdessen den Clip zu unserem The Cranberries‘ Hit „Ode to my family“.


[Direktode]

Spice Girls
Wie oft haben mir Freunde gesagt, ich sähe aus wie „Sporty Spice“. Klar. Lang lang ist’s her. Die Spice Girls, meine musikalische Überbrückung zu den Backstreet Boys, passten 1996 ganz gut zu meinem damals elfjährigen Ich: Bunt, überdreht, poppig. So war ich oder so wollte ich jedenfalls sein. Nachdem ich das erste Mal das Video zu „Say you’ll be there“ gesehen hatte, bastelte ich mir sogar ein Chakram aus Pappe. Damit warfen nicht nur die Spice Girls umher – das kannte ich ja auch schon von „Xena“.


[Direktgewürze]

Backstreet Boys
Ich war gerade 13 Jahre alt, und meine Mama hatte mir extra ganz viele kleine Zöpfchen geflochten, als der bis dahin schönste Tag meines Lebens endlich da war: Backstreet Boys live in Schmallenberg. Zur Info: Schmallenberg ist ein 25.000-Seelen-Kaff im tiefsten Hochsauerlandkreis. Damals, 1998, waren es vermutlich noch wenig Einwohner, aber die Backstreet Boys waren ja auch noch ganz am Anfang und das Sauerland hielt sich für gewappnet angesichts der Hysterie. Schon damals wurden reihenweise die hyperventilierenden Mädchen aus der ersten Reihe gezogen. Ich stand in der zweiten. Welch ein Glück. Hinterher heulte mir meine Freundin das typische „Nick hat mich angefasst“ vor, und ich weiß noch, dass ich schwer enttäuscht war, bei „I’ll never break your heart“ nicht von Nick mit einer roten Rose auf die Bühne geholt worden zu sein. Ach ja, die gute alte Zeit. Hier kommt mein „BSB“-Lieblingssong bis heute:


[Direkthinterstraßenjungs]

Britney Spears
Ja, sie ist im letzten Jahr verrückt geworden. Und ja, eigentlich konnte sie noch nie richtig singen, und ja, sieht auch gar nicht so toll aus. Aber was fand ich Britney Spears toll, als sie mir im Fernseher „…Baby one more time“ vorsang. Sogar eine weite, weiße Britney-Spears-Gedächnits-Hose habe ich mir gekauft. Apropos Klamotten: Hat Britney für ihr Outfit in „Oops… I did it again“ eigentlich mal einen Preis für das schlimmste Outfit des Jahrhunderts bekommen? Wenn nicht, dann würde ich ihr den gerne verleihen. Mach ich das nächste Mal, wenn ich sie sehe.


[Direktoops]

Damit sind wir auch schon am Ende von Teil 1 meiner musikalischen Evolution angekommen – was nicht heißt, dass es ab hier weniger schmerzhaft wird. Teil 2 folgt in Kürze, dann unter anderem mit noch weiteren Baggypants und ATB.