Neulich wurde ich von einem Journalisten zu meiner Ausbildung interviewt und bat ihn am Ende des Gesprächs, die Zitate vorab sehen zu dürfen. Noch bevor ich die Worte ausgesprochen hatte, zuckte ich angesichts des schieren Gedankens zusammen. Zitate abstimmen – und das aus dem Mund einer Journalistin. Das Autorisieren ist eine ganz ekelhafte deutsche Angewohnheit. Allerdings konnte ich, als ich so auf „der anderen Seite“ saß und mir diese Unsitte zu Eigen machte, zum ersten Mal manche frühere Interviewpartner verstehen.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Die Situation letztens hat mich an zweierlei erinnert. Zum einen an dieses Interview mit „Extra3“-Moderator Tobias Schlegl, das ich im Sommer geführt habe. Schlegl wollte nämlich nicht einen Buchstaben geändert haben – ein Paradebeispiel! Das andere, was mir wieder durch den Kopf ging, ist das krasse Gegenteil, nämlich dieses Interview des Popkultur-Magazins U_Mag mit Hannah Herzsprung. Weil die Schauspielerin (bzw. ihr Management) in unverschämtem Maß in dem Gespräch herumgestrichen und -gekritzelt hatte, ja sogar die Fragen des Interviewers geändert haben wollte, griff das Magazin zu einem ungewöhnlichen Mittel: Das Interview wurde in der halbzensierten Fassung, also mit sämtlichen Durchstreichungen und Anmerkungen abgedruckt. Lesens-, aber vor allem sehenswert!