Heute im dritten Teil der Reihe „Stress in fremden Kulturen“ spricht Manish (29) aus Indien. Er war schon überall in der Welt zu Hause, sagt er von sich selbst, doch seine kulturellen Wurzeln sind ihm geblieben:

„In unserer Kultur glaubt man an Karma und daran, dass eine höhere Macht unser Schicksal vorgibt. In stressigen Zeiten sind die Menschen überzeugt, dass es ihnen genauso vorherbestimmt ist, wie es passiert, und dass sie ohnehin nichts daran ändern können. Ich denke, dass die Menschen deshalb weniger gestresst sind, weil sie niemanden verantwortlich machen. Manche resignieren allerdings auch in Zeiten von Stress. Ihrem Glauben nach kann nur die höhere Macht etwas daran ändern, es liegt nicht in ihrer Kraft.

Viele wenden sich in stressigen Zeiten der Religion zu, das habe ich schon bei vielen meiner Verwandten beobachtet. Andere wachsen als Familie enger zusammen. Mein persönlicher Ansatz bei Stress ist eine Kombination aus beidem: ich versuche viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen, aber werde auch schon mal philosophisch. Dann sage ich mir, dass die stressige Situation schon vorbeigehen wird. Vielleicht hat auch Karma einen gewissen Anteil, denn auch ich glaube, dass mancher Stress einem vorbestimmt ist. Er ist einfach ein Teil des Lebens und dauert nicht ewig.“