Ob „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ oder „Sturm der Liebe“ – viele Seifenopern haben es schon getan: Eine Serienfigur sterben lassen und es sich später noch mal anders überlegt. Schon die Kultserie „Dallas“ beherrschte die wundersame Auferstehung perfekt.

Mit den Fingern klammerte sich Barbara von Heidenberg am Felsvorsprung fest und stöhnte in ihrem finalen Moment: „Ich weiß, wann meine Zeit ist, zu gehen.“ Dann ließ sich die böse Stiefmutter der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ – begleitet von dramatischer Musik und einem verzweifelten „Neeeeeeeein“-Schrei ihres Mannes – ein paar hundert Meter in die Tiefe fallen. Allzu ernst scheinen es die Autoren mit diesen pathetischen Abschiedsworten jedoch nicht gemeint zu haben, denn wie kürzlich bekannt wurde, kehrt Barbara-Darstellerin Nicole Tiggeler im September in die Serie zurück. Keine Leiche? Kein Problem.

Einen Serienhelden für tot erklären und später auferstehen lassen, das haben Seifenopern schon immer gerne gemacht. Das steigert die Spannung – und nebenbei auch die Erholung des Schauspielers, der sich mal eine Auszeit gönnen kann. Es ist kein Zufall, dass gerade in Seifenopern die Leichen häufig verschwunden bleiben – wie im Fall Barbara von Heidenberg -, denn so geht den Autoren später die wundersame Wiederauferstehung leichter von der Hand.

Der Tod steht ihnen gut
In der ARD-Telenovela ist es nicht die erste wundersame Auferstehung einer Serienfigur. Schon letztes Jahr stieg Wayne Carpendale wieder bei „Sturm der Liebe“ ein und da sein Alter Ego Lars Hoffmann nach dem Serientod sogar ordnungsgemäß obduziert wurde, musste halt ein böser Zwillingsbruder her. Bizarrer Serienrealität sei Dank. Ansonsten gibt es noch weitere Möglichkeiten: Unfall und Gedächtnisverlust, ein Traum, Koma, Flashback, Geistererscheinung, Halluzinationen, vorgetäuschter Tod… Klingt absurd, hat es aber in der deutschen Soapwelt alles schon gegeben.

Und das Gute an Seifenopern ist ja, dass die Fans sie lieben, ganz egal wie abgedreht die Geschichten werden. Sonja Wiebe („Gute Zeiten Schlechte Zeiten“) will die verhasste Freundin ihres Bruders loswerden – also macht sie ihm weis, die Geliebte sei bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Intrigantin Tanja von Anstetten („Verbotene Liebe“) möchte dem Vater ihres Sohnes entfliehen – also täuscht sie die Entführung des Kindes und ihren eigenen Tod vor. Und auch die ARD-Telenovela „Rote Rosen“ hat den für tot erklärten Gatten 20 Jahren nach seinem Verschwinden wieder auftauchen lassen.

Alles nur geträumt
Natürlich ist die Jesus-gleiche Auferstehung verstorbener Serienhelden keine deutsche Erfindung. Schon zu guten alten „Dallas“-Zeiten erdachten die Autoren eine verworrene Geschichte, um einen Todes-Fauxpas rückgängig zu machen. Dass Bobby Ewing dran glauben musste, fanden die Zuschauer Mitte der 80er nämlich gar nicht lustig. Also wurde die gesamte Zeit nach seinem tödlichen Autounfall – immerhin eine komplette Staffel – kurzerhand zu einem Traum erklärt. Am Ende stand Bobby quietschfidel unter der Dusche und mit ihm erwachten gleich eine handvoll verstorbener Charaktere wieder zum Leben. Es war eine der waghalsigsten Entscheidungen der Fernsehgeschichte.

Ähnlich mutig sind in der kommenden Saison die Autoren von „24“ und „Prison Break“. In den vergangenen Staffeln segnete in beiden Serien eine beliebte Hauptfigur – aus Rücksicht auf noch unwissende Fans werden keine Namen genannt – auf spektakuläre Weise das Zeitliche: Die eine starb an einem tödlichen Gift und die andere verlor buchstäblich den Kopf. Blut, Drama, Tränen – und dann hagelte es Fanproteste. Abgetrennte Körperteile hin oder her – in den jeweils neuen Staffeln stehen beide von den Toten wieder auf.

Ein Mal ist kein Mal

Dailysoaps und Telenovelas haben zwar viel Erfahrung, am besten klappt das mit dem Sterben-und-nie-wirklich-tot-sein allerdings in Mysterie-Serien. Bei „Buffy“ starb die Hauptfigur gleich zwei Mal, die „Heroes“-Charaktere heilen sich selbst und bei „Lost“ haben nicht nur die meisten Inselbewohner schon mal jemanden umgebracht, sondern bald jeder Dritte ist sogar eigentlich tot. In der Serienwelt ist der Tod halt selten das Ende: Auch mit noch so viel Mühe sind Serienfiguren einfach nicht tot zu kriegen.

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