Ich bin es gar nicht gewohnt, die letzte zu sein, die von etwas erfährt. Beim großen Online-Phänomen Twitter war es aber jetzt so. Na ja, vermutlich kennen meine Eltern Twitter auch noch nicht. Und sicher genauso wenig viele meiner Kollegen. Und meiner Kommilitonen. Kurzum: Alle, die keine Zeit haben, die Welt (oder besser: ein paar Nicht-zu-tun-Haber) pausenlos darüber zu informieren, was sie gerade denken oder ob sie einen Furz gelassen haben.

Soll angeblich die Kommunikation der Zukunft sein, weil’s so schnell und effizient ist. „Zu spät zum Meeting? Ihre Kollegen könnten das hilfreich finden“, wirbt Twitter auf seiner Startseite. Klingt ja schon mal toll – vorausgesetzt natürlich, die Kollegen haben zwei Minuten vorm wichtigen Business-Meeting Zeit, sich anzuschauen, was ich gerade auf meiner Twitter-Seite zwitschere. Und wieso habe ich eigentlich die Zeit eine Twitter-Nachricht zu schreiben, aber schaffe es nicht pünktlich zum Meeting?

Chats fand ich mal toll. Auch meine erste Community-Erfahrung werde ich nie vergessen. Also nahm ich – naiv, wie ich bin – erst einmal an, dass wohl auch am Twitter-Hype etwas dran sein muss. Das Resultat: FelixN beschwert sich am 20. August um 12.04 Uhr, dass er ja jetzt aufpassen musst, was er schreibt, weil seine Schwester auch da sein. Zu dem Zeitpunkt war „Schwester“, also ich, noch schwer damit beschäftigt, die Faszination von Twitter zu ergründen. Zu dem Zeitpunk hatte ich auch noch nicht ganz verstanden, wofür das Ganze denn nun da sein soll. Eine Minute später kam wiederum FelixN mit der Antwort.

Gut, ich hab also nicht auf Anhieb verstanden, worum es geht. Jetzt aber: Bei Twitter soll ich alles auschreiben, was mir gerade so einfällt. Und was mir so Spannendes passiert. „Bin noch im Schlafanzug. Mal sehen, ob ich mich heute noch mal umziehe“ zum Beispiel. Wow, wie konnte ich jemals ohne Twitter leben? Jetzt gleich werde übrigens eine Zähne putzen. Ist euer Tag dank dieses Wissens jetzt gerettet? Fyi: Es dauerte vielleicht etwas mehr als 15 Minuten, aber nach weniger als einem Tag war meine Mitgliedschaft bei Twitter wieder beendet. Was mein Bruder Wichtiges zu tun und zu sagen hat, weiß ich eben auch ohne Internet. Jetzt gerade zum Beispiel schaut er DSF. Nein. Er zappt. Pro7. RTL. Bei MTV läuft „Parental Control“. So ein Müll, wird er wahrscheinlich denken. Und weiter zu DMAX. Und dann wieder zu DSF. Sport geht eben immer.

P.S.: Die Mini-Texte von 140-oder-so Zeichen bei Twitter nennt man Tweets, habe ich mir sagen lassen. Nicht zu verwechseln natürlich mit dem gelben Küken der Looney Tunes:

[Direktulmen]

Pardon, falsches Video.


[Direkttweety]