Wie schön müssen doch die Zeiten gewesen sein, als es noch kein Fernsehen gab und damit kein Fernsehprogramm, in das sich die geschundenen Bürger flüchten konnten. Hat man damals noch mit der Familie über seine Probleme geredet oder einfach mal selbst nachgedacht, bevor man das Zuschauertelefon anrief? Und wie schön müssen doch erst die Zeiten gewesen sein, in denen Menschen sich mit ihrem Leben zufrieden gaben statt es mit allen Mitteln „prominent“ nennen zu dürfen. In der vergangenen Woche gab es gleich mehrere tolle Artikel, deren Autoren sich mit den Problem der heutigen Medien-, besser der Fernsehgesellschaft beschäftigt haben.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichtet heute Peer Schader von Zuschauern, die bei Vox um ein bisschen Urlaub für Serienfigur „Dr. Quinn“ bitten, und Zuschauerredaktionen, die zu Sozialarbeitern werden.

Schlimm genug, dass das Dschungelcamp wieder da ist. Noch schlimmer aber, dass sich jedes Medium direkt darauf stürzt und beinahe schon im BILD-Stil genaustens dokumentiert, was die Kandidaten da tagtäglich über sich ergehen lassen. Viel schöner war da doch Medienjournalist Stefan Niggemeier, der in der FAZ vom Freitag eine Analyse wagte: Wie verzweifelt muss man sein und wie groß die Angst vergessen zu werden, dass man freiwillig im fernen australischen Dschungel Insekten essen und andere ekelige Mutproben mitmachen.

Nicht zu vergessen der herrlich lachhafte Streit zwischen Zeit-Kultur-Chef Jens Jenssen und FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, zu dem so ziemlich jedes Medium seinen Senf abgegeben hat – wunderbar zusammengefasst bei perlentaucher.de.