Wie man in fünf Minuten sein Gewissen für den Rest des Jahres ruhig stellt. Ein Protokoll.

19.34 Uhr
Als ich meiner Mutter schreibe, teilt sie mir mit, dass sie jetzt gerade keine Zeit hat. Sie muss noch Kerzen suchen. Für den Fall, dass das Licht nicht wiederkommt. Und dann muss sie auch gleich alle Lichter ausschalten. Bei drei Stockwerken dauert das halt und wenn um 20 Uhr alle Lichter aus sein sollen…

19.39 Uhr
Ein Blick aus dem Fenster. Noch ist alles hell. Ob wohl auch die Reklametafeln gegenüber ausgeschaltet werden?

19.40 Uhr
Oh ja, vielleicht wird ja sogar diesem fürchterlichen rot leuchtenden Weihnachtsmann am Hauseingang gegenüber der Saft abgedreht!!

19.42 Uhr
Das ist komisch. Ich werde nervös. Dabei habe ich bis vor zehn Minuten gar nicht mehr an diese blöde Aktion gedacht.

19.46 Uhr
Ist doch keine Nervosität, nur Hunger. Aber jetzt anfangen zu kochen? Und dann im Dunkeln essen? Oder die ganze Action verpassen?

19.49 Uhr
Mal die Glotze anmachen. Ui, bei ProSieben läuft sogar ein Countdown. Ach ja, die von Galileo sind ja auch mit an Board bei dieser Aktion.

19.50 Uhr
Jetzt gibt’s sogar ’nen Spot dazu. Wieviel Energie es wohl gekostet hat den herzustellen?

19.52 Uhr
Jetzt überlege ich allen Ernstes auch schon, ob ich das Licht ausschalten soll oder nicht. Aber nein, ich bleibe standhaft. Irgendwer muss ja dafür sorgen, dass die Netze ihr Gleichgewicht behalten.

19.53 Uhr
Bei RTL2 gibt’s mal wieder The Dome… mit den „Popstars“-Finalisten, dann doch lieber zurück zu ProSieben.

19.54 Uhr
Noch sechs Minuten. Noch könnte ich mir eine Badewanne einlaufen lassen, ein paar Kerzen aufstellen und die Tür hinter mir zu machen. So würde ich mich an der Aktion beteiligen, ohne wirklich dahinter zu stehen.

19.56 Uhr
Jetzt ist’s zu spät. In vier Minuten würd ja gerade mal genug Wasser für ein Fußbad zusammen kommen…

19.57 Uhr
„Sydney hat es getan. [Blabla.] Jetzt tut es auch Deutschland“

19.58 Uhr
„Unsere Erde ist in Gefahr…“ Machen sie das Licht aus, aber erst um 20 Uhr!??! Ja, so könnt ihr die Menschen natürlich total überzeugen. Wenn jemand jetzt schon das Licht ausschalten will, soll er das doch sofort tun.

19.59 Uhr
Ui, Aiman Dingsda zählt den Countdown.

20 Uhr
Der Test beginnt. Wie hörig ist Hamburg ihrer geliebten Bild-Zeitung? Totaaaal. Rathaus aus. Nur der Weihnachtsmarkt nicht. Wohl auch besser so. Und bei ProSieben sagen sie noch extra dazu, dass man seinen Fernseher anlassen darf. Also, liebe Leute: Licht aus, aber macht alle Fernseher an, das wird die Politiker überzeugen.

20.01 Uhr
Mal zu Hause anrufen und gucken, ob meine Mutter das Telefon findet. Es dauert. Aber da isse. Ich sei ’ne Knalltüte, sagt mein Bruder im Hintergrund. Ist ja nett. Hey, immerhin hab ich tatsächlich doch noch das Licht ausgemacht.

20.02 Uhr
Mal rausgehen und gucken. In meiner Straße hat sich jedenfalls NIX getan.

20.03 Uhr
Dann mach ich jetzt mein Licht auch mal wieder an.

20.04 Uhr
Ist es endlich vorbei?

20.05 Uhr
Jetzt hab ich aber echt Hunger.

20.06 Uhr
Endlich hat der Spuk ein Ende. Na ja, hätte ich den Fernseher ausgelassen, ich hätt’s ja ohnehin total verpasst. Schon lustig… Jetzt haben wir es den Politikern aber so richtig gegeben. Wenn das nichts gebracht hat, dann weiß ich auch nicht. In diesem Sinne: Licht aus und gute Nacht.