Ich bin bekennender Fan des O-Tons. Als solcher möchte ich mich an dieser Stelle mal bei all den Menschen bedanken – besonders in den USA -, die so dreist und großzügig sind, die aktuellsten Folgen meiner Lieblingsserien noch am gleichen Abend ins Internet zu stellen. Kein illegales Downloaden, keine Sorge ,erwischt zu werden. Statt dessen gute Serien und vor allem die Original-Stimmen von Serien-Darstellern wie Sandra Oh („Grey’s Anatomy“), Wentworth Miller („Prison Break“) oder Masi Oka („Heroes“).

Wer die Stimmen besagter Schauspieler kennt und sich womöglich schon einmal die deutschen Fassungen angehört hat, der wird wissen, wovon ich rede. Bei diesen dreien besonders – aber auch leider vielen anderen – leiden die Charaktere und damit die Serien unter der deutschen Synchronisation. Eine Meredith Grey („Grey’s Anatomy“) oder auch ein „Dr. House“ wirken in vielen Situationen nicht halb so verkorkst wie im Original. Keiko Agena, die „Lane“ aus den „Gilmore Girls“, ist 34 Jahre alt – was ihre deutsche Synchronstimme vollkommen überspielt, die klingt nämlich wie die einer 15-Jährigen.

Hinzu kommt, dass Synchronisationen die Macher im jeweiligen Ausstrahlungsland ohnehin vor eine große Herausforderung stellen. Wie übersetzt man zum Beispiel am besten verschiedene Sprachen? In Deutschland scheint „Alles Deutsch“ die Regel zu sein. So werden in der amerikanischen Hit-Serie „Heroes“, die gerade auf RTL2 gestartet ist, japanische Monologe und Dialoge einfach mal komplett eingedeutscht. Dass Masi Okas Figur Hiro Nakamura allerdings zu Beginn der Serie kein Wort Englisch spricht, wird einfach ausgeblendet. Blöd nur, wenn sein Freund Ando für die anderen Helden übersetzt, was Hiro da gerade gesagt hat – für den US-Zuschauer vollkommen stimmig, in der deutschen Version wirkt’s einfach nur fehl am Platz.

Es gibt nur wenige Synchronisationen, die mit dem Original mithalten können. Eine davon ist „Scrubs“, weil die Macher selbst Wortspiele oft plausibel übersetzen. Ein Gegenbeispiel: „Buffy“ – Joss Whedon ist in den USA bekannt als einer der besten Dialog-Schreiber des letzten Fernseh-Jahrzehnts. Es ist kaum verwunderlicht, dass – wer das Original nicht kennt – mit der Serie oftmals nichts anfangen kann. Und noch zwei Beispiele aus dem Bereich der Comedy-Serien: Sowohl „Friends“ als auch „Gilmore Girls“ leben im Original von schnellen, spritzigen Dialogen angereichert mit Wortspielen und besonders im zweiten Fall einer popkulturellen Anspielung nach der anderen. Das zu übersetzen ohne dabei along the way den typischen Charme der Serie zu verlieren, ist so gut wie unmöglich.

Was dieses Problem, das mir offenbar schwer auf dem Herzen liegt, angeht: Es empfiehlt sich ein Umzug nach Schweden oder in die Niederlande. Dort sind nämlich Synchronisationen verpöhnt und ein wesentlicher Teil des Fernsehens passiert auf Englisch. Aber ich bin sicher, ich würde auch an den Untertiteln noch etwas zum Meckern finden.