In dieser Woche berichtet der Spiegel über die für September im Programm vorgesehenen Mauer-Dramen „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ (ARD) und „Prager Botschaft“ (RTL), die laut dem Magazin beinahe symbolisch für einen Umschwung im TV-Gewerbe stehen. „Heldin schlägt Helden“, heißt es dort. Zu Recht!

Doch dass die Männer das Heldentum nicht mehr für sich allein beanspruchen können, ist nicht erst eine Entwicklung dieser Tage – und erst Recht keine Entwicklung deutscher Fernsehmacher. Gerade das US-Fernsehen zeichnet sich bereits seit über einem Jahrzehnt durch starke Frauencharaktere aus, die nicht nur die Hauptrolle in ihrer jeweiligen Serie oder Sendung innehaben, sondern auch ihre meist männlichen Gegenspieler spielend in die Tasche packen. 1997 startete mit „Buffy – Die Vampirjägerin“ eine Serie mit solchen Charakteren, die allein wegen ihrer viel gepriesenen Dialoge Kultstatus erreicht hat. Starke Frauen folgten auch in „Ally McBeal“ (1997), „Charmed“ (1998), „Dark Angel“ (2000), „Alias“ (2001), „Veronica Mars „(2004) und weiteren Serien – teils mit durchschlagendem Erfolg. So sind „Dark Angel“ Jessica Alba oder auch die einstige „Alias“-Hauptdarstellerin Jennifer Garner heute gefragt in Hollywood.

Die Serien, die ihnen zum Erfolg verhalfen, – unabhängig von Genre oder Beliebtheit – haben wesentlich dazu beigetragen, dass Frauen heute in Film und Fernsehen eben nicht mehr als Fräulein in der Not dargestellt werden, sondern mehr sind als der sexy Sidekick des Superhelden (z.B. Batgirl). Längst müssen Bösewichte auch nicht mehr nur Monsterjägerinnen fürchten – etwa Milla Jovovich im aktuellen dritten Teil von „Resident Evil“ -, sondern auch ganz bodenständige Frauen, die Heldinnen der Unter- und Mittelschicht. Besonders Mütter – ganz gleich, ob Julia Roberts als „Erin Brokovich“ oder halt jetzt Veronica Ferres und Anneke Kim Sarnau, die beiden Frauen, die im September bei ARD und RTL wie Löwinnen um ihre Kinder kämpfen.