„So lernst Du fliegen wie Harry Potter und Superman“, versprach die Kindermedienuni (KiMU) am ersten Juni-Wochenende ihrem jungen Publikum. In Workshops wie diesem, der zum Beispiel die Blue-Box-Technik demonstrierte, erhielten Kinder zwischen acht und zehn Jahren als „Studierende für einen Tag“ einen Einblick in die Welt der Medien.

Medienkompetenz wird für Kinder immer wichtiger, um sich im Dickicht des Informationsdschungels auszukennen. „Kinder zu mündigen Mediennutzern zu machen“ sei das Ziel der zweiten KiMU, erklärt Claudia Aymar, Professorin für Mediengestaltung an der FH Wiesbaden. „Sie müssen lernen, zwischen Fiktion und Realität in den Medien zu unterscheiden und zu hinterfragen statt nur zu konsumieren.“ Gemeinsam mit Kollegen aus ihrem Fachbereich Design, Informatik, Medien hat sie die KiMU initiiert. Als Grafikdesignerin beim öffentlichrechtlichen Rundfunk hatte sie zuvor jahrelang Fernsehen für Kinder mitgestaltet.

Die 120 teilnehmenden Studierenden leisten nicht nur einen Beitrag zur Ausbildung der Nachfolgegeneration, sondern profitieren selbst von dem Projekt, das der berühmte „Fuß in der Tür“ zur Praxis sein könnte. Christine Kappes, Medienwirtschaftlerin im fünften Semester, hat die Pressearbeit für die KiMU bei der beruflichen Orientierung geholfen: „Ich wusste zwar schon vorher, dass ich in den Bereich Kommunikation und PR gehen möchte. Die KiMU hat mir jetzt die Bestätigung gegeben, dass das genau das Richtige für mich ist“, erzählt die 28-Jährige.

Für das Gelingen der KiMU engagierten sich die meisten Teilnehmer weit über die Pflichtstundenzahl hinaus, lobt Aymar: „Den Studenten geht es nicht nur um ihre Punkte. Sie investieren ihre Freizeit für eine wirklich gute Sache“, so die Grafikdesignerin. Wenn der Erfolg so sichtbar sei wie bei diesem Projekt, mache sich die Arbeit bezahlt, meint Christine Kappes. Wie viele Teilnehmer war auch sie schon vor zwei Jahren als Helferin dabei.

Auf zahlreiche Anfragen nach dem Debüt hin nahm Claudia Aymar eine Wiederholung in Angriff. Wegen des großen Aufwandes wird die KiMU als semesterübergreifendes Projekt in zwei statt einem Halbjahr bearbeitet. „Wir konnten uns teilweise auf einem Erfolg ausruhen, den wir vorher gar nicht gespürt haben“, erinnert sie sich. „Wir mussten nicht mehr erklären, was die KiMU ist, und auch nicht wirklich Klinken putzen.“ So beteiligten sich zum Beispiel dieselben Sponsoren wieder.

Für die Zukunft hofft Claudia Aymar auf eine größere Reichweite. Sie malt sich aus, dass man auf lange Sicht die Kinderunis verschiedener Hochschulen aufeinander abstimmen könnte, um so in einer Zeit ungewisser Zukunftsperspektiven einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Bildung von Kindern zu leisten.

Mit knapp 9 000 Studierenden zählt die Fachhochschule Wiesbaden zu Deutschlands 15 größten Fachhochschulen. In den Fachbereich Design, Informatik, Medien wurden Anfang des vergangenen Jahres die Studiengänge Innenarchitektur, Kommunikationsdesign, Informatik, Medieninformatik und Media Management integriert.

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