Und es reicht doch, Journalist werden zu wollen
Die heranwachsende Generation, zu der ich mit meinen 29 Jahren auch gehöre, ist eine verwöhnte Generation. Den heutigen Nachwuchsjournalisten fehlt oft der Biss, der Wille mehr einzubringen als minimal gefordert ist. Das Engagement. Den [sic!] Esprit. Die Eleganz. Und das Bewusstsein: Wenn ich es zu etwas bringen will, muss ich dafür kämpfen. Meine Generation kämpft nicht, sie genießt.
So weit der deutlichste Absatz aus einem Blogbeitrag, der mich heute über den Tag begleitet hat. Pauline Tillmann, studierte Politikwissenschaftlicherin, Autorin und preisgekrönte Rundfunkreporterin (B5, Bayern 2), beschreibt darin, was ihrer Meinung nach mit ihrer/meiner/unserer Journalistengeneration (im Folgenden der Einfachheit halber und weil sie selbst auch so schön pauschalisiert als wir bezeichnet) nicht stimmt. Sie unterstellt, wir würden nicht für unseren Job brennen, den meisten fehle es an Biss, und viele Journalisten hätten den Beruf nur des Geldes wegen gewählt, was nun mal nicht reiche.
Letzteres brauche ich selbst nicht mehr kommentieren, denn das hat 21-jährige Schweizerin Luzia Tschirky bereits trefflich auf jungjournalisten.ch getan:
Viele Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten müssen sich durch unzählige unbezahlte Praktika kämpfen. (…) Allen ist bewusst, dass sie kämpfen müssen, wenn sie es «zu etwas bringen» möchten. Pauline Tillmanns Vorwurf, vielen Journalisten würde es nur ums Geld gehen, verstehe ich umso weniger, als er aus Deutschland kommt. Noch nie habe ich von einem jungen Journalisten oder einer jungen Journalistin gehört, er oder sie habe diesen Beruf wegen des Geldes gewählt. Wer Geld verdienen möchte, studiert Betriebswirtschaftslehre oder Jura. Woher also zieht Pauline Tillmann ihre Schlüsse? Die Frage wird an keiner Stelle des Textes beantwortet.
Doch das ist noch nicht mal das, was mich beim Lesen des Beitrags am meisten störte.
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