Die Tatsache, dass ich mir fast zwei Wochen Zeit gelassen habe, um meine Eindrücke von der Jahrestagung des Netzwerk Recherche aufzuschreiben, spricht bereits Bände. Vielleicht habe ich zuviel erwartet. Vergangenes Jahr verließ ich die Tagung mit großen, staunenden Augen; es war quasi das erste Mal, dass ich zwischen all den Großen des Business saß, mich offensiv vernetzte, außerhalb eines Seminarraums intensiv über Medienthemen diskutierte.
Freilich wunderte mich die Internet-Resistenz gestandener Journalisten auch schon 2009. Zugegeben: Das Thema Online-Journalismus war nicht so in Außenseiter-Panels begraben in diesem Jahr, aber die Prominenz, die ihm gebührt, hatte es nach wie vor nicht. Und wenn doch, dann blieben die Diskussionen oberflächlich. Wie kann man im Juli 2010 zum Beispiel über Paid Content sprechen und weder Flattr noch Kachingle erwähnen? Ein Panel auf dem Stand von vor zwei Jahren, wie ich via Twitter mitbekam.
Dass dies möglich war – per Twitter zu lesen, was gerade bei einer parallelen Veranstaltung passierte -, war eine Seltenheit, glänzten doch selbst die zahlreichen anwesenden iPhone-Besitzer mit Twitter-Abwesenheit. Zehn, vielleicht fünfzehn twitternde Teilnehmer waren wir in der Rush Hour, was schade war, hatte doch das gleichzeitige Schreiben über das Gesehen und Gehörte bei Konferenzen wie der re:publica oder der Next stets einen Mehrwert für den Besucher. Wie oft habe ich bei der Jahrestagung des Netzwerk in einer Sitzung gehockt und mir gewünscht, zu wissen, ob irgendwo etwas Spannenderes passiert? Weiter lesen »