Mein Aufruf „Raus aus der Informationsflut“ richtete sich überwiegend an mich selbst, ist aber auch in meinem Umfeld gut angekommen. Deswegen möchte ich euch teilhaben lassen, wie es auf meinem Weg der digitalen Selbsterkenntnis weitergeht. Heute habe ich mal was Sinnvolles prokrastiniert, nämlich meine Mission: Löschen vorangetrieben. Was auch wunderbar an ein anderes digitales Interesse angeknüpft: so viel Sicherheit wie möglich bei so viel Komfort wie nötig.

Wie ich icq löschte

Ach, ich kann dann icq Mail nicht mehr nutzen? Das ist natürlich tragisch. #delete

Schätzt mal: Wie viele brach liegende Accounts habt ihr? Bei „Facebook-Killern“, Messengern, Bookmarkingservices? Auf die Zahl, die ihr jetzt im Kopf habt, könnt ihr vermutlich guten Gewissens noch mal die Hälfte aufschlagen. Und die Dunkelziffern der Account-Leichen, an die ihr euch nicht erinnert, dürfte ebenfalls recht beachtlich sein. Als Ordnungsfanatikerin komme ich mit dieser digitalen Unordnung nicht klar. Und in puncto Sicherheit kann es auch nicht gut sein, an so vielen Stellen noch vertreten zu sein, ohne zu kontrollieren, was sich dort vielleicht verändert hat und was inzwischen mit meinen Daten geschieht.

Deshalb fragte ich mein Netzwerk: Was soll ich löschen?

facebook-aufruf-accounts

Meine Lerngeschenke1

  • Verschafft euch einen Überblick über all die Dienste, bei denen ihr Accounts haben könntet, zum Beispiel mit Hilfe der Listen von namechk.com (via Kirstin) oder justdelete.me (via Chrisi). Letztere Liste liefert auch gleich noch den entsprechenden Link zur Lösch-Seite mit. Die Angaben sind teilweise veraltet, also versucht es auch, wenn dort was anderes steht. Mit checkusernames.com (via Julian) könnt ihr auch gleich testen, wo euer Standard-Username vergeben ist. Achtet auch darauf, was für Newsletter ihr so bekommt – häufig deuten die auch auf bestehende Benutzerzugänge hin.
  • Beim Thema Kündigen hört die Nutzerfreundlichkeit vieler Seiten auf. Lasst euch nicht abwimmeln! Sucht nach Begriffen wie „cancel“, „delete“, „deactivate“ oder „subscription“.
  • Wenn ihr euch an das Passwort eines sieben Jahre alten, nie genutzten Accounts erinnert, ist das das kein Grund zur Freude. Denn es ist kein Zeichen für besonders gut funktionierende Erinnerung, sondern der Arschtritt, euch dringend bessere Passwörter anzuschaffen.
  • Sicher bin ich nicht, wo welche Daten auch nach meinem Abgang noch weiter liegen. Michael empfahl deswegen, vor dem Löschen des Accounts auch meine persönlichen Daten zu löschen oder durch Fake-Daten zu ersetzen. Falls doch noch was verbleibt. Habe ich nur teilweise gemacht, kann ich mit leben.
  • Und da mir in just diesem Moment eine Co-Workerin von der Verzweiflung berichtet, in die ich sie mit meinem Facebook-Beitrag stürzte: Wenn ihr euch an eure Zugangsdaten zu einem Account partout nicht mehr erinnert und das auch nicht rekonstruieren könnt, dann ist das halt so. Akte schließen. Weiter machen.

Und jetzt: Schönen Feierabend!

Account bei Podio löschen

Ja, ich will. Ja, ich will wirklich.

Ich habe gerade an die zehn alte Benutzerkonten – von AOL Instant Messenger bis UStream – gelöscht, bestimmt aber noch nicht alle erwischt. Ihr habt Ergänzungen zu den Listen von justdelete.me und namechck.com? Dann her damit!


  1. Lerngeschenke, die. Von den Digital Media Women Köln geprägte Variante des englischen Begriffs „Learnings“.