Journalist ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Ein Fluch und Segen zugleich.

Ich schreibe diese Worte abends um acht Uhr im Münchener Flughafen-Terminal. Ich bin krank und gehöre eigentlich ins Bett, habe stattdessen heute an einem Workshop teilgenommen und tippe nun noch eifrig auf meinem Rechner, anstatt mich in meinen Sitz sinken zu lassen und abzuschalten.

Womit ich das, was ich jetzt moniere, ein bisschen negiere. Vollkommen klar.

Wieso ich nämlich schreibe, ist eine Diskussion, die ich vor dem Hinsetzen hatte. Mit einem Verlagsmanager, der von Erfahrungen mit Jungjournalisten erzählte und proklamierte: Journalismus sei kein Beruf, sondern eine Berufung. Man müsse dafür brennen, ohne Wenn und Aber. Wer zwischen Privat- und Berufsleben trennen können wolle, dürfe sich nicht Journalist nennen. Und wer eine andere Defintion hat, zum Beispiel auf Feierabend besteht, der könne halt nicht gut sein.

Das ist sicher etwas verkürzt und nicht zuletzt meine Wahrnehmung des Gesprächs. Doch er ist ja nicht der erste, von dem ich solche Worte hörte. Schon der erste Journalist, mit dem ich je zu tun hatte, ein Lokalredakteur, argumentierte mit der Leidenschaft, die diesen Beruf von anderen unterscheide. Und im Studium waren es dann bekannte Medienmacher wie der frühere „Zapp“-Leiter Kuno Haberbusch, die meinen Kommilitonen und mir predigte, für Journalisten gebe es keinen Feierabend.

Ich habe das immer geschluckt. Und das Minderwertigkeitsgefühl akzeptiert, das manchmal damit einhergeht, wenn Vorbilder einem sagen, wie man zu sein hat und dass man ihren Ansprüchen nicht genügt.

Schluss damit.

Das Gute daran, dass a) die Berufsbezeichnung Journalist nicht geschützt ist, b) sich die Definition von Journalismus mit den Jahren verändert, c) die Gesellschaft inzwischen neue Arbeits- und Lebensentwürfe akzeptiert und d) ich nicht mehr leicht zu beeindruckende 22 bin: Ich weiß heute, dass ich brennen und trotzdem Feierabend machen kann. Dass nicht nur die Edelfedern und Rund-um-die-Uhr-Ackerer „echte“ Journalisten sind. Dass ich mein Geld mit Management und Events verdienen kann und trotzdem Journalistin bleibe.

Denn Journalismus mag Berufung sein. Aber Journalismus ist eben auch, was ich als Journalistin daraus mache.