Ich bin eine Home-Office-Arbeitsbiene und fühle mich damit meistens sehr, sehr wohl. Doch ohne das Betahaus Hamburg, befürchte ich, sähe das anders aus. Der Co-Working-Space hat nun bekanntermaßen kürzlich Insolvenz angemeldet. Als ich das las, hätte ich mich – zu der Zeit am Strand von Barcelona – fast an meinen Nachos verschluckt. Hier lest ihr meine Gründe, warum die Insolvenz hoffentlich nicht das Ende ist.

Was liegt dir am Betahaus?
Das Betahaus Hamburg ist für mich ein bisschen wie das Gegenteil vom Casual Friday: Wenn ich einmal die Woche dort bin, trage ich ausnahmsweise nicht Home-Office-Jogginghose. Mein Tag hat, anders als die meisten, eine feste Struktur. Einen Anfang, eine Mitte und ein klares Ende. Für Festangestellte oder Menschen mit einem externen Büro, das sie auch wirklich besuchen, mag das banal klingen. Für mich ist das im Home-Office-Leben ein sehr wichtiger Anker. Hier arbeite ich obendrein häufig konzentrierter, weil ich ja in gewisser Weise unter Beobachtung stehe. Als Medienjournalistin und Digital Media Woman bin ich außerdem mittendrin in der Hamburger Szene und weiß, was gerade „der heiße Scheiß“ ist.

Und jenseits der evidenten Vorteile für meine Arbeitswoche hängt einfach mein Herz am Betahaus. Ich werde nie vergessen, wie Lena Schiller Clausen, Mitgründerin und damals Geschäftsführerin, fürs erste kleine Treffen der Digital Media Women (DMW), das wir freundlicherweise dort abhalten durften, extra Sektgläser kaufte, weil sie halt einen Prosecco schlürfenden Frauenverein erwartete. Sekt trinken wir zwar gerne und viel, aber Lena dürfte heute staunen, was aus uns geworden ist in den letzten drei Jahren. Die Gläser haben wir schon überlebt, schätze ich. Wir hatten viele tolle Momente hier und wollen auch in Zukunft das Betahaus unterstützen, hier arbeiten und Veranstaltungen abhalten, soviel ist sicher.

Darüber hinaus habe ich persönlich hier einige der tollsten Hamburger Menschen kennengelernt und mir beruflich etwas aufgebaut. Selbst wenn ich in der jetzigen Betahaus-Community nicht so drin stecke wie noch zu „Lena-und-Seda-Zeiten“, ist das ein Ort, dem ich mich sehr verbunden fühle und ohne den ich mir die Hamburger Digitalszene, die Schanze und mein Arbeitsleben nicht vorstellen kann und möchte.

Hamburg ohne Betahaus

Hamburg ohne Betahaus? Geht nicht, finde ich. (Foto: Lena Schiller Clausen)

Warum braucht Hamburg das Betahaus?
Digital-Media-Women-Kollegin Sarah Pust hat bereits sehr gut aufgeschrieben, was für ein Armutszeugnis es für die Hamburger Digitalszene sowie die Stadt wäre, wenn sich kein Weg fände, das Betahaus zu retten. Dem kann ich mich nur anschließen. Ich bin es leid, vom großen Start-up-Hub in Berlin zu hören und das viele verschenkte Potential in Hamburg beobachten zu müssen. Es wird Zeit, an einem Strang zu ziehen. Wenn ich schreibe (siehe oben), dass ich es mag, im Betahaus mittendrin zu sein, dann verschweige ich, dass das Mittendrin immer noch viel zu klein ist. Und so viel größer sein könnte, wenn sich mehr Firmen, Organisationen und wie gesagt vor allem die Stadt zu neuen, fluiden Arbeitsformen bekennen würde. Start-ups und die Selbständigkeit an sich sind in der Digitalbranche, aber auch generell, ein riesiges Standbein der Zukunft. Das darf niemand mehr ignorieren, wenn er nicht auf der Strecke bleiben will.

Was kann besser laufen?
Mein persönlicher Wunsch und ein Modell, bei dem ich mich auch zu einer Mitgliedschaft committen würde: dass es ein Café gibt, in dem ich immer das Internet nutzen kann. Wenn ich Termine habe oder zwischen Terminen ein Stündchen auf der Schanze arbeiten will, ist das Betahaus bislang keine Option, also fließt mein Geld meistens in die Kasse der kopiba. Hätte ich im Betahaus die Möglichkeit, auch ohne Tagesticket mal ein, zwei Kaffee zu trinken und das WLAN zu nutzen, wäre ich wegen des Sozialfaktors (siehe oben) tendenziell eher hier anzutreffen. Das würde mitunter bedeuten, dass ich statt einmal die Woche sogar anderthalb Mal vor Ort bin, Geld im Betahaus lasse, darüber spreche, twittere etc. und damit wieder für Aufmerksamkeit sorge. Eine solche Mitgliedschaft könnte dann – wie auch jetzt schon bei Basic Members – auch Vorteile haben wie vergünstigte Preise für Veranstaltungen. Die übrigens stärker beworben werden müssen, finde ich. Die Stärkung der Community ist großartig, aber das Betahaus könnte sich noch weiter öffnen – wo wieder der Rest der Hamburger Szene ins Spiel kommt (siehe oben).

Was sollte der Insolvenzverwalter tun?
Ohne dass ich en detail wüsste, wie die Aufgaben eines Insolvenzverwalters überhaupt aussehen: darauf achten, dass sich das Betahaus nicht unter Wert verkauft. Mir ist bewusst, dass ich mir als gelegentliche Nutznießerin von Freundschaftspreisen gerade in den Anfangstagen der DMW damit womöglich ins eigene Fleisch schneide, aber klar ist: Zu viel im Betahaus wird gratis angeboten und etwa Events wurden gefühlt mehr als Marketinginstrument denn als Geldquelle verstanden. Dabei müssen sie beides sein.


Danke Jan C. Rode für die Idee zu dieser Blogparade! Und jetzt eure 5 Cent zum Thema Betahaus der Zukunft.