Carolins Kommentar im Blog von Don Dahlmann, Screenshot aus 2009

Schon Anfang 2009 – ich war noch in den letzten Zügen meines Studiums, hatte gerade erst angefangen zu Twittern und mich intensiver mit dem digitalen Journalismus auseinanderzusetzen – ahnte ich, dass es nicht einfach werden würde, den Menschen in meinem Leben zu erklären, was ich eigentlich genau mache. Dabei hatte ich noch keinen Schimmer, wohin mich mein beruflicher Weg führen würde; ich wusste, soweit ich mich erinnere, nicht einmal, dass ich mich selbständig machen würde.

Das Bild oben zeigt einen Kommentar, den ich seinerzeit unter einem Blogpost meines damaligen Blogwerk-Kollegen Don Dahlmann hinterließ. Er beschreibt darin die Schwierigkeit, zu vermitteln, wieso er „umsonst“ Texte ins Web stelle, und erzählt von seinem Blog als „Rückgrat meiner virtuellen Existenz“. Ich habe seinen Beitrag letztlich nicht ausgedruckt. Meine Familie hat auch so irgendwann vor einer Weile verstanden, was ich mache, was nicht und wieso – doch es hat rund zwei Jahre selbstständiger Tätigkeit und ausführliches Erklären gedauert…

Vielleicht hilft es ihnen und anderen, ein genaueres Bild zu bekommen, wenn ich als Beitrag zum Iron Blogger Hamburg in dieser Woche dem Aufruf von Wibke Ladwig folge. Sie fragt in ihrer Blogparade:

Und was machen Sie so beruflich?

Eine Antwort darauf zu geben, inspiriert mich vielleicht auch zu einer ordentlichen Beschreibung meiner Tätigkeiten für meine neue Website zu formulieren. Außerdem möchte ich überprüfen, ob Wibke Recht hat, wenn Sie sagt:

Ich bin Journalistin. Ich habe Journalismus und PR studiert, zahlreiche Praktika gemacht, jahrelang in Redaktionen und in der PR gejobbt, und wäre dieses Internet nicht gewesen, würde ich heute vermutlich bei einer Lokalzeitung arbeiten oder vielleicht für ein überregionales Blatt TV-Kritiken schreiben. Dann begann ich jedoch ungefähr 2006, auf eigene Faust Sachen ins Netz zu schreiben (a.k.a. zu bloggen), fand später Gefallen an Twitter, landete in der „Netzwelt“ von Spiegel Online, und ich glaube, an der Stelle hatte ich meine Familie, die früher so gerne meine Artikel über Schützenfeste und heimische Ausstellungen gelesen hatten, schon ein wenig verloren. Es ist seither nicht besser geworden, sondern nur noch komplizierter.

Heute bin ich immer noch Journalistin. Ich schreibe nach wie vor ins Internet: auf Vocer, in diverse Blogs, für Medien wie SPON, meine wöchentliche Kolumne, auf Twitter oder Google+. Medium, ggf. Länge und Tiefgang oder das Publikum mögen variieren und weit entfernt sein von dem, womit ich vor rund 13 Jahren angefangen habe. Doch das ist der Teil, der noch sehr klassisch und verständlich ein dürfte.

Foto: Flickr-Nutzer wharman (CC BY 2.0)

Foto: Flickr-Nutzer wharman (CC BY 2.0)

Die meiste Zeit investiere ich in zwei Projekte, bei denen ich eine leitende Position habe: Mit Annika Stenzel teile ich mir die Redaktionsleitung von Vocer und baue seit diesem Jahr das Vocer Innovation Medialab als Geschäftsführerin mit auf. Das eine ist recht klassisches Redaktionsmanagement – ich suche Autoren, redigiere Texte, suche spannende Videos, stelle all das im Programm von Vocer online; zukünftig werde ich mich mehr auf Kooperationen konzentrieren, Veranstaltungen organisieren, die langfristige Strategie des Portals im Blick haben. Meine Aufgabe dort wird also, eng verknüpft mit dem Medialab, eher zu Projektmanagement, Organisation journalistischer Initiativen.

(Hätte man mir vor ein paar Jahren diese Aufgabenvielfalt – vom Schreiben über Kalkulationen hin zum Netzwerken – nahe gelegt, ich hätte nicht geglaubt, dass dies heute mein Alltag ist. Weil es eben doch ein ganzes Stück von dem entfernt ist, wie sich mein 14-jähriges Ich den Journalistenberuf vorstellte. Doch gerade diese Vielfalt ist es, die mich sehr reizt.)

Zusätzlich bin ich – Stichwort Netzwerken – sehr aktiv im Social Web unterwegs, betreibe also für mich selbst und weitere Projekte auch noch aktives Marketing. Sprich: So wie andere mit ihren Büronachbarn schnacken, tausche ich mich über Twitter aus; während der Lokalreporter von Termin zu Termin fährt, surfe ich von Website zu Website; ein Auge auf dem, was gerade in meinem Netzwerk passiert, ist mein täglich Brot. Für mich ist das ganz normal und bereichert meinen Arbeitsalltag – aber für diejenigen, die das hier vermutlich lesen (Hallo, Onkel!), dürfte es eben teilweise doch sehr fremd sein, deswegen erwähne ich es. Auch die Digital Media Women, die ich initiiert habe, gehören in diesem Sinne für mich mit zum Beruf, weil sie mir helfen, meine digitale Marke aufzubauen, mich als Journalistin ständig über den Tellerrand meiner eigenen Zunft blicken lassen und mich vernetzen mit potentiellen Kollegen und Auftraggebern.

Schreiben, Recherchieren, Managen, Kommunizieren, Organisieren, Netzwerken, Marketing. Ich möchte nicht so weit gehen wie zuletzt etwa Andreas Weck bei den Netzpiloten, der in einem Artikel eine ähnliche Vielfalt an Tätigkeiten überschrieb mit „Sechs Fähigkeiten, die ein Journalist heute drauf haben sollte“ (Hervorhebung von mir). Das, was ich jenseits des klassischen Tätigkeitsprofils einer Journalistin mache, würde ich eher als zweite oder dritte Jobbeschreibung sehen, die ich mir gerade erarbeite.

Journalistin, Redaktionsleiterin, Managerin – vielleicht trifft es das? Oder geht das zu weit?

Ich werde noch mal in mich gehen, freue mich aber auch über Vorschläge und Kommentare. Viele, die das hier lesen, dürften mich ganz gut kennen und können meine Aufgabenbeschreibung vielleicht besser formulieren als ich hier im Wald mit seinen ganzen Bäumen.