Es wurde schon so viel und heftig gelästert über die re:publica 2011. Auch ich selbst habe mich zwischenzeitlich darüber ausgelassen, wie voll es sei – berechtigt – und dass es an Substanz fehle – zahlreichen Berichten wie diesem zufolge absolut nicht berechtigt, aber dazu halte ich ohnehin besser meine Klappe, weil ich viel zu wenig gesehen habe in diesem Jahr.


#rp11 no. 1: Wenig Substanz, zu voll. Virtuelle Entdeckung: @Mellcolm. Favorit in echt: @DieSteph. Weil: #häschtäg. Vorfreude: Wake the blogless than a minute ago via TweetDeck Favorite Retweet Reply

Stattdessen will ich hier einen absolut, vollkommen, total uneinschränkbar subjektiven Eindruck aufschreiben – aus einer mir bisher vollkommen ungewohnten Perspektive.

Denn ich war nicht nur Zuschauerin in meinem dritten Jahr auf der re:publica, sondern stand außerdem gemeinsam mit der klugen, wortgewandten und einfach unheimlich lieben Sanja Stankovic auf einem Panel. Frei nach dem #dmwHH-Motto: Mehr Frauen auf die Podien!

„Wake the blog – Warum die digitale Gesellschaft eine PR-Strategie braucht“ hieß unser Vortrag, der wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von Redner Konstantin Neven DuMont kurzfristig verlegt wurde – in den Großen Saal in der Kalkscheune, die neben dem pompösen Friedrichstadtpalast größte Räumlichkeit der gesamten Veranstaltung. Ihr könnt euch vorstellen, wie uns – pardon – der Arsch auf Glatt hihiGrundeis ging, als wir erfuhren, dass statt der potentiellen 50 ZuhörerInnen auf einmal bis zu 300 in den Raum passen sollten.

Doch das ging salopp gesagt schon klar, schließlich haben wir nicht einfach irgendein Thema präsentiert, sondern eines, das uns am Herzen lag und liegt, von dem wir Ahnung haben und das wir gerade im Kontext dieser Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft für relevant hielten. In einer Nussschale: Es ging darum, wie manipulativ Sprache sein kann und dass wir vorsichtiger mit Begriffen wie „Datenkrake“, „Internetkriminalität“ oder „Netzaktivist“ umgehen müssen, wenn wir nicht die Kluft zwischen Netizens/Zugezogenen und dem nicht so digitalen Teil der Gesellschaft vergrößern wollen. Im Gegenteil: Das Ziel muss sein, sich anzunähern, gerade weil das Internet als Medium nur noch wichtiger wird und die richtige Sprache dazu beitragen kann, kein falsches Bild des anderen entstehen zu lassen.

Eine schöne Zusammenfassung des Panels findet ihr auf WDR.de.

Da einige bereits fragten: Sanja und ich werden das Thema definitiv im Blick behalten, möglicherweise sogar wie in der Diskussion angeregt ein Wiki aufsetzen, um dem Sprachproblem entgegenzuwirken.

Reschpeckt!
Klar waren wir nervös, was wohl aber auch eine gute Eigenschaft ist. Aber es hat vor allem unheimlichen Spaß gemacht, dieses Herzensthema zu präsentieren und in anschließenden Gesprächen zu erfahren, dass wir damit den Nerv vieler getroffen zu haben scheinen. Als der Applaus verstummte und – im übertragenen Sinne – die Lichter gedimmt wurden, hatte sich bei mir einiges geändert. Zum einen, das muss ich leider zugeben, hatte ich kaum einen Kopf für andere Veranstaltungen. Was ich deshalb besonders schade finde, weil ich mit „BloggerInnen im Gespräch“ und „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ zwei der als Highlights gehandelten Panels verpasst habe. Am dritten und letzten Tag, Freitag, erging es mir nicht viel besser, das hatte wohl mit einer ausufernden #tassebier ähm… dem Jetlag zu tun.

Glücklicherweise waren noch rund 2.999 andere Nerds und Nerdinnen vor Ort, um den teilweise sehr spannend klingelnden Vorträgen zu lauschen. Denn egal welcher Qualität und wie inspirierend sie letztlich waren, jeder und jede einzelne auf den Podien hat es verdient, gehört zu werden. Ich war quasi als Speakerin in einer privilegierten Situation: Nicht nur, weil ich – Gott sei Dank! – kostenlos essen und trinken durfte, sondern weil mich diese re:publica wie keine Veranstaltung zuvor Respekt gelehrt hat.

Es ist leicht, sich über Referenten zu beklagen, die ihre Vortragszeit zur Werbeveranstaltung machen, oder Forscherinnen, die ihre Ergebnisse eins zu eins ablesen und damit einen ganzen Saal leeren. Sich mit einer These auf ein Podium zu stellen, erst recht, wenn sie gewagt ist – dazu gehört was. Selbst wenn man meckernde Trolle gewohnt ist oder schon mit dem Bierchen in der Hand auf die Bühne kommt, ist der Unterschied zum ersten Referat in der Schulzeit eben doch groß. Welch ein Glück, dass die re:publica nicht nur Klassentreffen genannt wird, sondern auch ein Verhalten inspiriert wie auf selbigem. Sprich: Selbst auf den Podien floss Wodka.

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Zum Abschluss noch ein paar ebenfalls komplett subjektive Links. Wenn die bei der Twitterlesung nach Sympathie vorgehen können, kann ich das auch:

  • Die Digital Media Women haben hier, hier und hier über die re:publica berichten.
  • Bei Mirko hat sogar mein Konterfei Platz gefunden.
  • Auch die Chrisi auf Save the Pony trifft den Nagel auf den Kopf.
  • Wer nichts zu tun hat so rp-durstig ist wie ich, dem empfehle ich diese Sammlung zahlreicher weiterer Nachberichte.

Update, 20. April:
Ohne uns sagen unsere Präsentationsfolien nicht viel, schön anzugucken sind sie aber allemal. Deswegen jetzt auch hier: